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Wenn es heiss wird, cool bleiben

Clifford Padevit, Leiter Investment Communication
Lesedauer: 4 Min
Krisen aussitzen ist nicht leicht, aber besser als verkaufen.

Krieg, Pandemie, Finanzkrise. Das löst Krisen aus, die Leid verursachen und im Portfolio spürbar sind. Aber wie sollten Anlegerinnen und Anleger am besten damit umgehen, wenn ein neuer Krieg wie jetzt in Nahost oder eine Wirtschaftskrise beginnt und Kurse wild schwanken? 

In den letzten 20 Jahren haben wir viele Ereignisse erlebt, die weltweit zu spüren waren. Die Finanzkrise in den Nullerjahren, die Schuldenkrise in Europa, die Pandemie, der Beginn des Kriegs in der Ukraine. Immer haben die Finanzmärkte empfindlich reagiert. Die Kurskapriolen sind Ausdruck davon, dass niemand weiss, was die Folgen sein werden. Das ist in der aktuellen Iran-Krise nicht anders. 

Denn die Märkte sind so etwas wie ein Stammtisch: Da kommen verschiedene Meinungen zusammen. In der Beiz gibt es vielleicht keinen Konsens. Im Finanzmarkt ergeben alle Meinungen, die sich in Kauf- und Verkaufsaufträgen ausdrücken, zusammen einen Preis. 

Muster der Krise

Solche Unsicherheitsphasen gehören zum Anlegen dazu. Trotzdem hadern auch Profis, wenn sich eine Krise entlädt. Immerhin kennen sie die Muster. Aktien sinken im Preis, weil Verkäufer dominieren. Sichere Anleihen sind gefragt und steigen im Preis (darum sinkt die Anleihenrendite). US-Dollar und Schweizer Franken gewinnen an Wert. Die allererste Reaktion der Finanzmärkte auf die Angriffe auf den Iran folgte genau diesem Schema.

Aber was sollen denn Anlegerinnen und Anleger in einer solchen Situation tun? Die erste und einfachste Option: Gar nichts. Die Preise an den Finanzmärkten schwanken, mal weniger, mal mehr. Natürlich lässt es niemanden kalt, an einem Tag fünf Prozent zu verlieren. Das löst bei vielen den Reflex aus, etwas zu unternehmen. Die Kunst ist es, diesen Reflex zu kontrollieren.

Das Beispiel erklärt, warum. Sagen wir, jemand sei 20 Jahre lang auf dem Mond gewesen, ohne jede News von der Erde, das Depot wurde nicht angefasst. Bei der Rückkehr ist es viel mehr wert, ohne dass jemand etwas dafür getan hätte. Wird sich diese Person darüber ärgern, nicht beim Start der Corona-Pandemie Aktien verkauft zu haben? Nein, weil es sich lohnt, investiert zu sein. 

Über einen längeren Zeitraum und auf Stufe des ganzen Markts betrachtet, lieferten zum Beispiel Schweizer Aktien im Schnitt und inklusive Verlustjahre Renditen von rund 7 Prozent pro Jahr, Anleihen rund 4 Prozent. Ein anderes Beispiel unterstützt das Argument: Hätte man vor 30 Jahren in den US-Aktienindex S&P 500 investiert, und ausgerechnet die fünf besten Tage verpasst, dann wäre diese Anlage nur halb so viel im Wert gestiegen. 

Die zweite Option wäre: einen Teil des Aktien-Portfolios zu verkaufen. Dazu müsste man aber bereitstehen, wenn die Börsen nach Eintreffen schlechter News eröffnen. Wenn dann alle gleichzeitig verkaufen, sinken die Preise umso mehr. Häufig gibt es anschliessend eine Aufwärtsbewegung, die eher geeignet wäre. Doch stellt sich die Frage, wann man wieder einsteigt.

Clifford Padevit

Was sollen Anlegerinnen und Anleger in einer solchen Situation tun? Die erste und einfachste Option: Gar nichts.

Clifford Padevit Leiter Investment Communication

Drei Tricks

Am besten ist es, in guten Zeiten mit drei Tricks vorzusorgen, damit sich die Option «gar nichts tun» einfacher aushalten lässt. 

1. Bevor man investiert, schreibt man sich das Sparziel sowie die Quoten für Aktien und Anleihen auf. Bevor man hastig was am Depot ändert, dieses Dokument anschauen und sich zurückbesinnen. 

2. In wiederkehrenden Abständen diese Quoten überprüfen und wiederherstellen. 

3. Regelmässig automatisiert investieren, was bei Sparplänen mit börsenkotierten Fonds (ETF) besonders einfach ist. So kauft man Anteile automatisch auch, wenn sie günstiger geworden sind. 

Rechtlicher Hinweis: Die gesetzlich vorgeschriebenen Angaben zu Finanzanalysen finden Sie unter https://www.vpbank.com/de/rechtliche-hinweise.

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