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Warum Day-Trading nichts mit Anlegen zu tun hat

Clifford Padevit, Leiter Investment Communication
Lesedauer: 4 Min
Aktien im kurzen Takt zu handeln, ist wenig sinnvoll.

An Tagen, an denen die Märkte heftig schwanken und einzelne Aktien hochschiessen, hat schon jeder Anleger insgeheim gedacht: "Verpasst!". Doch Tagesgewinne von 10 % oder 20 % sind Glückstreffer. Niemand kann verlässlich voraussagen, ob eine Aktie oder ein Index an einem bestimmten Tag steigt oder sinkt. 

Wer trotzdem darauf setzt und Day-Trading betreibt, der wird Geld verlieren. Aber warum ist es besser, Aktien langfristig zu halten? Das hat mit dem Wesen dieser Wertpapiere zu tun. 

Wie ein Unternehmer denken

Stellen Sie sich vor, Sie gründen ein Unternehmen, das Kugelschreiber herstellt. Sie benötigen Maschinen, Rohmaterial und so weiter. All diese Investitionen werden aus dem Geld bestritten, das bei der Gründung einbezahlt wurde. 

Das Unternehmen verkauft zwar Kugelschreiber, erzielt aber in den ersten zwei Jahren einen Verlust. Dieser geht zulasten der Aktionäre. Die Aktien, die zusammen das Eigenkapital ausmachen, sinken dann im Wert. Dieser steigt aber, wenn ab dem dritten Jahr Gewinne folgen. 

Das Beispiel zeigt: Aktionäre tragen das Geschäftsrisiko vollumfänglich mit, im Guten wie im Schlechten, im Grossen wie im Kleinen. Und Unternehmen existieren nicht nur ein Jahr oder zwei, sondern Jahrzehnte – sofern sie erfolgreich sind.

Clifford Padevit

Aktien sind Anlagen, mit denen man langfristig einem Unternehmen zutraut, Gewinn zu schreiben und Wachstum zu erzielen.

Clifford Padevit Leiter Investment Communication

Aktien sind also Anlagen, mit denen man langfristig einem Unternehmen zutraut, Gewinn zu schreiben und Wachstum zu erzielen. Schön und gut, doch wie sehr lohnt es sich denn, das Geschäftsrisiko mitzutragen? Welche Elemente machen die Aktienrendite aus? Es sind drei Komponenten:

  • Gewinnwachstum. Wenn der Gewinn eines Unternehmens wächst, wird sich das im Preis der Aktie niederschlagen. Denn ein steigender Gewinn heisst, das Unternehmen kann mehr investieren, etwa in künftiges Wachstum. Der Kurs der Aktie sollte dies spiegeln. Von allen drei Komponenten ist das Gewinnwachstum über lange Sicht die bedeutendste. 
  • Dividende. Der Teil des Unternehmensgewinns, der an die Aktionäre als Dividende ausbezahlt wird, ist die zweite Komponente. Sie ist je nach Geschäftsfeld des Unternehmens und je nach Region ein sehr gewichtiger Teil der Aktienrendite (siehe Kolumne vom 20. Februar «Dividende: Fast die halbe Miete»). 
  • Bewertung. Der Aktienmarkt ist nicht perfekt. Aktien werden je nach Zeitpunkt anders bewertet. Das lässt sich etwa mit dem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) bemessen. Ist der Gewinn pro Aktie also beim Kauf 10-mal im Kurs enthalten und beim Verkauf 15-mal, ist die Bewertung gestiegen. Warum? Das ist ein Mix aus den Ergebnissen des Unternehmens und den daraus abgeleiteten Erwartungen, der Marktstimmung und von der Attraktivität anderer verfügbarer Anlagen. 

Immer höher?

Es fällt auf: Alle drei Komponenten können nur dann im Sinn der Anleger zusammenkommen, wenn man eine Aktie länger besitzt. Darum ist die Aussage, dass Aktien langfristig im Wert steigen, nicht falsch. Richtig ist sie besonders auf Stufe eines Index. 

Trotzdem, die Aktienrendite schwankt, je nach Einschätzung der Chancen eines Unternehmens und je nachdem, welche Marktstimmung herrscht, Angst oder Gier. Um solchen Zyklen möglichst zu entrinnen, wird für Aktien eine Haltedauer von rund zehn Jahren empfohlen. Dies leitet sich aus historischen Datenreihen anhand von Indizes ab, die zeigen, dass sich nach zehn Jahren ein Aktieninvestment fast sicher lohnt. Nicht aber an einem einzigen Tag.

Rechtlicher Hinweis: Die gesetzlich vorgeschriebenen Angaben zu Finanzanalysen finden Sie unter https://www.vpbank.com/de/rechtliche-hinweise.

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