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Warum Anleger wissen wollen, wie die SNB entscheidet

Clifford Padevit, Leiter Investment Communication
Lesedauer: 3 Min
Der Leitzins ist der wichtigste Referenzwert der Volkswirtschaft.

Vor ein paar Tagen war es wieder so weit: Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat ihre geldpolitische Lagebeurteilung vorgenommen. Der Titel der Medienmitteilung lautete trocken wie immer: «Nationalbank belässt SNB-Leitzins unverändert bei 0 %». Aber warum sollte ein Entscheid, nichts am Leitzins zu verändern, relevant sein und auch noch von allen Medien vermeldet werden? 

Die Erklärung beginnt mit der Bedeutung des Leitzinses. Er ist der Ausgangspunkt für Finanztransaktionen im Franken-Währungsraum, der Liechtenstein miteinschliesst. Oder einfacher: Es ist der Preis für Schweizer Franken.

Zins für Banken 

Direkt relevant ist dieser Preis aber nur für Geschäftsbanken, die Geld bei der Nationalbank halten. Sie erhalten darauf den SNB-Zins. Warum sie bei 0 % ihr Geld bei der SNB anlegen? Erstens, weil sie dazu gezwungen sind (Mindestreserve), und zweitens, weil das Geld bei der SNB so sicher ist wie nirgends und sie darum kein Eigenkapital hinterlegen müssen. Die Zinsen werden täglich berechnet und einmal im Monat ausbezahlt.

Einer Kaskade gleich zieht sich dieser Preis dann durch die Wirtschaft. Übernacht-Ausleihungen unter Banken orientieren sich am Leitzins. Diese Transaktionen sind dann Referenz für den Saron, den Swiss Average Rate Overnight. Verschiedene kurzfristige Geldgeschäfte, bei denen Zinsen eine Rolle spielen, beziehen sich auf diesen Saron. Hausbesitzer kennen zum Beispiel die Saron-Hypothek: Dabei bezahlen Kreditnehmer den Saron plus einen Aufschlag, den die Bank aufgrund des Kreditrisikos berechnet. Alle 90 Tage wird dieser Zins neu festgelegt. 

Aber auch für längerfristige Zinsgeschäfte sind die Leitzinsen von Bedeutung. Allerdings bestimmt bei Laufzeiten von drei, fünf oder zehn Jahren nicht die SNB den Zins direkt, sondern Angebot und Nachfrage im Zinsmarkt. Als Referenz dienen Staatsanleihen, obendrauf kommt ein Risikozuschlag für das Unternehmen oder die Einzelperson, die sich Geld leiht, sowie eine Zeitprämie, die, je länger desto höher ist. 

Bleibt die Frage, warum die SNB den Leitzins erhöht oder senkt. Der Auftrag lautet: Die Nationalbank muss für stabile Preise sorgen. Das heisst, die Inflation muss 2 % oder weniger betragen. Mit dem Festlegen der Zinsen kann sie die Wirtschaft beeinflussen. Wenn die Konjunktur rund läuft und dies zu steigenden Preisen führt, erhöht sie die Zinsen. Umgekehrt wird sie die Zinsen senken, wenn sie findet, die Wirtschaft kommt nicht vom Fleck. Natürlich ist diese Abwägung schwierig, und auch Zentralbanken können die Zukunft nicht voraussehen. Indem sie die Öffentlichkeit darüber informiert, wie sie die Lage einschätzt, legt sie Rechenschaft ab. 

Clifford Padevit, Leiter Investment Communication

Der Leitzins beeinflusst, wie viel Zinsen man auf Anleihen, die auf Schweizer Franken lauten, verdient.

Clifford Padevit Leiter Investment Communication

Agenda nachtragen

Warum Anlegerinnen und Anleger sich für die Mitteilung über Leitzinsen interessieren sollten? Weil es um den Preis des Geldes geht. Er beeinflusst, wie viel Zinsen man auf Anleihen, die auf Schweizer Franken lauten, verdient. Der Zins wirkt auch auf die Währung; Anlagekapital sucht sich im Normalfall Währungen mit höheren Zinsen. Als Hort der Stabilität ist der Franken allerdings sehr gefragt, daher ist die Zinsdifferenz zu anderen Währungen nicht derart relevant. Zudem: Wer den Zeitwert der künftigen Cashflows von Unternehmen zum heutigen Tag berechnet, kommt bei höheren Zinsen auf tiefere Werte und umgekehrt. Entsprechend steigen oder sinken die Bewertungen.

Um das grosse Ganze zu sehen, ist es daher unerlässlich, die vier Termine der SNB-Lagebeurteilung in den Kalender einzutragen. 

Rechtlicher Hinweis: Die gesetzlich vorgeschriebenen Angaben zu Finanzanalysen finden Sie unter https://www.vpbank.com/de/rechtliche-hinweise

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