Wie werden Indizes berechnet?
Einige Aktienindizes sind weltweit bekannt, andere zumindest im eigenen Land. Zum Beispiel melden die Radionachrichten jeden Tag, wie sich der Swiss Market Index (SMI) oder der Dow Jones in New York bewegt hat. Investoren hören genau hin. War es ein guter oder ein schlechter Tag an der Börse?
Das können Indizes aussagen. Ob der Index an einem Tag steigt oder fällt, ist nicht so relevant. Aber die Veränderung zeigt, wie die Stimmung war. Für private wie professionelle Anleger dienen Indizes auch als Massstab. Sie messen damit, wie sich ihr eigenes Portfolio im Vergleich dazu entwickelt hat. Und Indizes werden dank des Trends zu passiven Anlagefonds wie ETFs immer wichtiger.
Wer, wie, was?
Wie wird eigentlich so ein Index berechnet? Sinnvoll ist erst einmal die Eingrenzung einer Gruppe von Aktien, die Gemeinsamkeiten haben. Also zum Beispiel solche, die im Gesundheitssektor tätig sind, oder jene, die am schwersten sind, sprich die mit der grössten Marktkapitalisierung (Anzahl Aktien multipliziert mit dem Kurs). Der Swiss Market Index (SMI, seit 1988) zum Beispiel: In diesem Schweizer Index sind die 20 grössten Unternehmen enthalten, deren Aktien an der Schweizer Börse gehandelt werden. Der S&P 500 (Wurzeln reichen bis 1923 zurück) in den USA funktioniert genau gleich, er umfasst die 500 grössten US-Unternehmen. Dasselbe gilt für den Deutschen Aktienindex Dax (seit 1990) mit 40 Titeln.
Nur gäbe es keine Indexologie – ein erfundenes Wort übrigens – wenn alle Indizes genau gleich wären. Die meisten Indizes geben die Veränderung der Aktienpreise wieder, sind daher Preisindizes. Der Dax hingegen ist ein Performanceindex. Das heisst, es werden auch Dividenden und ihre Reinvestition einberechnet. Das zeigt eher die Rendite, die auch Anleger erzielen. Inzwischen gibt es von den meisten Indizes jedoch beide Varianten, denn Indexdaten sind für die Anbieter sehr lukrativ.
Entscheidend bei allen Indizes ist das Gewicht der einzelnen Aktien. Dabei zählt nicht nur die Marktkapitalisierung: Sie wird bei den meisten Indexanbietern auch korrigiert. Es werden beispielsweise die Beteiligungen von grossen Aktionären, die nicht verkaufen, wie zum Beispiel Gründerfamilien, abgezogen. So wird der Freefloat berechnet, jener Teil der Aktien, der wirklich dem Publikum zur Verfügung steht. Zudem spielt das Handelsvolumen eines Titels eine wichtige Rolle, je höher es ist, desto besser.
Entscheidend bei allen Indizes ist das Gewicht der einzelnen Aktien.
Clifford Padevit Leiter Investment Communication
Für alles eine Lösung
Im Schweizer SMI dominieren die Pharmakonzerne Roche und Novartis mit einer Gewichtung von 16.9 % und 16.4 %. Zusammen mit dem Nahrungsmittelmulti Nestlé kommen die Top-3-Aktien auf 47.5 %. Auch der Weltaktienindex hat eine enorme Schlagseite. Der MSCI World, der nur Industrieländer umfasst, besteht zu mehr als 70 % aus US-Aktien.
Das ist der Nachteil, wenn ein Unternehmen oder ein Land so viel grösser ist als der Rest. Von Anleihenindizes war noch nicht die Rede, aber bei ihnen ist es ähnlich: Je mehr Anleihen etwa ein Staat ausstehend hat, desto grösser ist das Gewicht im Index. Das betrifft etwa die Euro-Staatsanleihen-Indizes, wo Italien und Frankreich viel Raum einnehmen.
Doch haben Indexanbieter auch dafür eine Lösung auf Lager: Sie berechnen Varianten, bei denen sie das Gewicht auf 5 % beschränken oder alle Komponenten gleich bemessen, im Jargon «equal-weight» genannt.
Ja, Indexologie ist ein bisschen technisch. Aber nur schon das Wissen der Einstiegslektion hilft Anlegern, Enttäuschungen vorzubeugen.
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