Spotanalyse

Deutschland: Auftragsboom!

Dr. Thomas Gitzel, Chief Economist VP Bank
Lesedauer: 2 Min
Die Auftragseingänge legen im März um 3 % gegenüber dem Vormonat zu. Gegenüber dem März 2020 liegen die Auftragseingänge um 27.8 % im Plus.

Mittlerweile kann von Auftragsboom gesprochen werden. Mit Ausnahme des Dezembers lagen die Auftragseingänge seit Mai 2020 im jeweiligen Monatsvergleich im Plus. Die Corona-Scharte ist längst ausgewetzt. Im Vergleich zu Februar 2020, dem Monat vor dem Beginn der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie in Deutschland, war der Auftragseingang im März 2021 um 9.1 % höher. Vor allem aus dem Inland kam es zu einem kräftigen Auftragszuwachs von 4.1 % gegenüber dem Februar.

Der Auftragsbestand liegt deutlich über dem Vorkrisenniveau. Die Auftragsreichweite lag zuletzt bei 7.1 Monaten und hat einen neuen Höchststand seit Beginn der Erfassung dieser Größe im Jahr 2015 erreicht. Die Reichweite gibt an, wie viele Monate die Betriebe bei gleichbleibendem Umsatz ohne neue Auftragseingänge theoretisch produzieren müssten, um die vorhandenen Aufträge abzuarbeiten. Das Jahr 2021 ist also für das verarbeitende Gewerbe bereits gesichert.

Die Ausgangssituation für eine anhaltend kräftig Erholung des verarbeitenden Gewerbes könnte damit kaum besser sein. Allerdings hat die Industrie derzeit die Schwierigkeit, die gute Auftragslage in eine entsprechend gutlaufende Produktion umzumünzen. Die Materialknappheit belastet den Ausstoss in der Industrie. Die Industrieproduktion gab unter anderem aufgrund fehlender Vorprodukte, wie etwa Halbleitern, sowohl im Januar als auch im Februar im Monatsvergleich nach. Wirtschaftliche Bremsspuren sind also bereits vorhanden. Auch der Rückgang des deutschen BIP im ersten Quartal um 1.7 % wäre geringer ausgefallen, wären Materialien in ausreichendem Umfang vorhanden gewesen.

Es handelt sich jedoch um ein temporäres Phänomen. Die globalen Logistik- und Produktionsketten müssen sich erst wieder einspielen. Das kann zwar noch einige Monate dauern, aber die Probleme sollten grundsätzlich behebbar sein. Spätestens im vierten Quartal sollten die globalen Material- und Logistikprozesse wieder rund laufen.

Der fortgesetzt gute Trend bei den Auftragseingängen legt das Fundament für eine erfreuliche gesamtwirtschaftliche Erholung. Der Materialmangel bremst zwar vorerst die Produktion aus, doch sind die Materialien erst einmal wieder in ausreichender Menge verfügbar, werden kräftige Nachholeffekte zu verzeichnen sein. Einzelne Firmen schicken Mitarbeiter aufgrund von fehlenden Teilen und Zubehör derzeit in Kurzarbeit. Ist der Materialmangel behoben, dürften Sonderschichten fällig werden, um den Auftragsrückstand abzuarbeiten. Der Aufschwung wird nach Beendigung des Mangels umso stärker sein. Das deutsche BIP ist also auf ein kräftiges Wachstum programmiert.

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