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Spotanalyse

ifo-Geschäftsklimaindex – Highway to Hell

Dr. Thomas Gitzel, Chief Economist VP Bank Group
Lesedauer: 2 Min
Der ifo-Geschäftsklimaindex fällt von 85.9 auf 74.3. 

Der ifo-Geschäftsklimaindex war heute eine spannende Angelegenheit, da bereits in dieser Woche zwei extreme Varianten von Konjunkturfrühindikatoren veröffentlicht wurden. Da waren zum einen die ZEW-Konjunkturerwartungen, nach denen die aktuelle Corona-Krise nur einen kurzzeitigen Einbruch der Wirtschaft darstellt. Zum anderen wurden die Einkaufsmanagerindizes publiziert, die auch Volkswirten mit langjähriger Berufserfahrung die Beine zum Schlottern brachten. Es war nun die Frage, welche Richtung der ifo-Geschäftsklimaindex einschlagen würde.

Der ifo-Geschäftsklimaindex schlug sich leider auf die Seite der Einkaufsmanagerindizes. Betrachtet man den jüngsten Verlauf des ifo-Geschäftsklimaindex, fällt einem dazu eigentlich nur „Highway to Hell“ ein. Der Index liegt nun deutlich unter den Werten des Jahres 2009. Das zeigt dann auch, was uns in den kommenden Monaten noch erwartet. Die einfache Botschaft lautet: Massive Einkommensverluste stehen bevor. Wir alle werden ärmer werden. Das gilt nicht nur für Deutschland, sondern für sämtliche Volkswirtschaften. Manchmal ist es besser, die ungeschminkte Wahrheit zu hören.

Die deutsche Konjunktur wird noch längere Zeit mit dem Corona-Virus zu kämpfen haben. Doch selbst wenn die Pandemie mittels eines Impfstoffes überwunden sein wird, die Langzeitfolgen werden immens sein. Lieferketten dürften hinterfragt werden. De-Globalisierungstendenzen könnten sich verstärken. Aus der schon laufenden Digitalisierungswelle wird wohl ein Digitalisierungstsunami werden. Welchen langjährigen Einfluss das Corona-Virus auf die Wirtschaft hat, kann aber letztlich im Detail nur erahnt werden. Die Implikationen für die deutsche und globale Wirtschaft werden jedenfalls immens sein. Doch jede Krise bietet eine Chance. Jetzt geht es zunächst um Krisenbewältigung, dann geht es aber darum, die Weichen richtig zu stellen.

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