Direkt zum Inhalt
Spotanalyse

EZB-Notfallkredite finden keinen Anklang

Dr. Thomas Gitzel, Chief Economist VP Bank Group
Lesedauer: 2 Min
Die EZB hat für sogenannte Pandemie-Notfallrefinanzierungen für Banken (Pandemic Emergency Longer-Term Refinancing Operations – PELTROs) 851 Mio. Euro zugeteilt.

Heute feierten die PELTROs ihr Debüt. Eine rauschende Premierenfeier blieb aber aus. Lediglich 19 Banken der Eurozone griffen zu. Es war allerdings absehbar, dass die Nachfrage bei den Pandemie-Notfallkrediten der Europäischen Zentralbank (EZB) gering sein würde. Es stellt sich nämlich die grundsätzliche Frage, für wen diese Geschäfte überhaupt konzipiert wurden.

Die EZB besserte an ihrer letzten Zinssitzung im April zum einen die gezielten langfristigen Refinanzierungs-operationen (TLTRO) nach. Zum anderen wurden die neuen PELTROs vorgestellt. Die Konditionen der TLTROs sind nach der Anpassung so attraktiv, dass die PELTROs nicht mithalten können. Die meisten Banken werden bei den TLTROs einen Zinssatz von 1.0 % erhalten, während es bei den PELTROs lediglich –0.25 % sein werden. Warum also sollte sich eine Bank 1 % entgehen lassen? Hier kommen die Auswüchse der Negativzinsen ans Tageslicht. Wer sich bei der EZB Geld leiht, bekommt dafür Zinsen.

Die Frage ist, warum Banken überhaupt an den Pandemie-Notfallrefinanzierungen mitmachen. Vermutlich sind es kleinere Banken, die zugegriffen haben. Da die Konditionen der TLTROs an die Kreditvergabe geknüpft sind, bestehen komplexe Meldepflichten an die EZB. Mit diesem bürokratischen Aufwand sind wohl viele kleinere Institute überfordert. Den Kosten für die Meldepflichten steht der von der EZB gezahlte Zins gegenüber. Laut EZB-Chefvolkswirt Philip Lane, könnten  PELTROs auch für Banken in Frage kommen, die sich auf die Kreditvergabe fokussieren, die nicht in das TLTRO-Muster passen. Dazu zählen etwa Immobilienfinanzierer oder auch Staatsfinanzierer.

Es sollte noch ein weiterer Aspekt beachtet werden. Wer bei den Pandemie-Notfallrefinanzierungsgeschäften mitmacht, könnte sich einen schlechten Ruf einhandeln. Denn wer bei den PLTROs mit den schlechteren Bedingungen zugreift, scheint in Liquiditätsschwierigkeiten zu stecken. Viele Banken wollen sich dieser Verdächtigung nicht aussetzen.

Eines steht fest: Bei den gezielten langfristigen Refinanzierungsgeschäften werden sich die Banken nicht so zurückhaltend zeigen. Die Zuteilung im Rahmen der TLTROs wird vermutlich alle Dämme brechen. Banken werden sich schätzungsweise ein Volumen von bis zu 1.5 Billionen Euro von der EZB holen.

#Spotanalyse
 ·  Spotanalyse
Italienisches BIP im zweiten Quartal: Massiver Einbruch, doch weniger deutlich als erwartet
Mehr dazu
 ·  Spotanalyse
Das US-BIP im zweiten Quartal 2020: Willkommen im Gruselkabinett
Mehr dazu
 ·  Spotanalyse
Ifo-Geschäftsklimaindex: Wirtschaftlicher Tiefschlag ist beendet
Mehr dazu

Ersten Kommentar schreiben

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.