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Spotanalyse

Einkaufsmanagerindizes: Dienstleistungssektor im freien Fall, Industrie hält sich besser

Dr. Thomas Gitzel, Chief Economist VP Bank Group
Lesedauer: 2 Min
Der Einkaufsmanagerindex für die Eurozone für das verarbeitende Gewerbe schlägt sich in Anbetracht der widrigen Umstände verhältnismässig gut. Der Rückgang im März von 49.2 auf 44.8 fällt weniger stark aus als die Konsensprognose dies voraussagte. Die Dienstleistungsbranche erwischt es hingegen massiv. Der entsprechende Einkaufsmanagerindex fällt von 52.6 auf 28.4. Der Einbruch im Servicesektor ist damit deutlich stärker als prognostiziert wurde.

In den vergangenen Tagen haben sich Auguren mit wirtschaftlichen Horrorszenarien überboten. Doch die Einkaufsmanagerindizes zeigen, wie schwer es derzeit ist, vernünftige Prognosen zu erstellen.

Vielerorts mag das im Vergleich zur Konsensschätzung deutlich bessere Abschneiden des Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe überrascht haben, doch konnte die Industrieproduktion bis weit in den März hinein relativ gut aufrechterhalten werden. Es hat vor allem das Dienstleistungsgewerbe hart erwischt. Wegen des Stillstands des öffentlichen Lebens kann das aber nicht weiter überraschen.

Fürs Erste gilt deshalb: Volkswirtschaften mit einem hohen Anteil an produzierender Industrie sind zunächst weniger hart von den wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus betroffen. Je bedeutender jedoch der Dienstleistungssektor, desto grösser ist der konjunkturelle Schaden. Länder wie Deutschland kommen also vermutlich besser weg als beispielsweise die USA.

Das verarbeitende Gewerbe wird in den kommenden Wochen ebenfalls noch unter die Räder kommen – aber weniger stark als die Dienstleistungsbranche. Die grossen Automobilhersteller, die Chemieindustrie und auch der Maschinenbausektor helfen sich derzeit mit Zwangsurlaub und Abbau von Überstunden über den Stillstand hinweg. Die grosse Welle an Kurzarbeit dürfte im April zu erwarten sein. Die Schmerzen für die produzierende Wirtschaft setzen in weiten Teilen also erst im kommenden Monat richtig ein. Vielen kleineren Betrieben dürfte hingegen jetzt schon das Wasser bis zum Hals stehen. Die staatlichen Gelder können hier jedoch – zumindest über eine gewisse Zeit hinweg - eine grössere Insolvenzwelle verhindern.

Die Dienstleistungsbranche erwischt es jetzt schon knüppeldick. Das öffentliche Leben steht still. Vermutlich muss hier der Staat trotz milliardenschwerer Finanzhilfen noch nachbessern.

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