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Taktische Positionierung

Ein langer Weg zurück

Dr. Felix Brill, Chief Investment Officer VP Bank Gruppe
Lesedauer: 4 Min
Die Corona-Krise hat die Finanzmärkte auf eine beispiellose Achterbahnfahrt geschickt. Die Folgen der Eindämmungsmassnahmen werden noch lange spürbar sein. Darum ist es noch zu früh, um Entwarnung zu geben. Wir balancieren die Portfoliorisiken aus.

Die letzten Wochen sind für den Finanzmarkt voller Superlative: Es gab den schnellsten so tiefen Einbruch der Aktienmärkte seit Jahrzehnten, so viele enorm grosse Tagesbewegungen am Stück wie zuletzt während der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre, aber auch eine der stärksten Gegenbewegungen der Geschichte, als die US-Aktienmärkte innerhalb von nur drei Tagen knapp 20 % stiegen. Das zeigt, wie extrem die Corona-Krise die Welt durch rüttelt. Es gibt kaum historische Parallelen, welche Halt und Orientierung bieten.

Immerhin kann man mithilfe von Szenarien versuchen, das Spektrum der möglichen Entwicklungen und deren Auswirkungen zu strukturieren. In unserem Basisszenario gehen wir davon aus, dass die Corona-Krise im zweiten Quartal sehr tiefe Spuren in der Wirtschaft hinterlassen wird. Die Rückkehr zur gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Normalität wird nur langsam und schrittweise erfolgen. Aber sie wird noch 2020 erfolgen.

In diesem Szenario werden die Unternehmen im laufenden Jahr gemäss unseren Schätzungen rund ein Drittel weniger Gewinn erwirtschaften als noch 2019. Ein Rückgang in dieser Grössenordnung wäre in den Aktienpreisen in der Zwischenzeit enthalten. Frühere Marktkorrekturen haben aber auch gezeigt, dass eine Korrektur typischerweise in mehreren Wellen abläuft. Bisher haben wir nur die erste Welle gesehen. Darum erachten wir es als sinnvoll, die Risiken im Portfolio auszutarieren. Dazu gehören in diesem Umfeld nicht nur Aktienrisiken, sondern auch Zins-, Kredit- und Liquiditätsrisiken. Während wir Aktien nach der ersten starken Gegenbewegung bereits wieder auf neutral zurückgenommen haben, reduzieren wir nun den breiten Index an USD-Anleihen.

Reduktion von USD-Anleihen nach Erholung
USD-Anleihen, Performance
Aktuelle taktische Abweichungen
aktische Abweichungen von der strategischen Quote
Anleihen stärker untergewichtet

Die Renditen haben ein Auf und Ab sondergleichen hinter sich. Zwischenzeitlich waren selbst die grossen Staatsanleihenmärkte mit Liquiditätsengpässen konfrontiert. Nach der Erholung der letzten Tage reduzieren wir vor diesem Hintergrund den breiten Index an US-Dollar-Anleihen.

Aktien neutral

Wir hatten nach der ersten starken Gegenbewegung das Übergewicht von europäischen Aktien geschlossen. Kurzfristig erachten wir das Chancen-Risiko-Verhältnis bei Aktien als ausgewogen, weshalb wir die neutrale Gewichtung bestätigen.

Gold bleibt übergewichtet

In turbulenten Zeiten spielt Gold eine wichtige, stabilisierende Rolle im Portfolio. Diese hat das Edelmetall im bisherigen Jahresverlauf zwar nicht zu jedem Zeit-punkt eingehalten. Insgesamt hat sich Gold aber in den letzten Wochen bewährt, weshalb wir an der Position festhalten.

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