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Spotanalyse

Effektive Unterstützung: Regierungen gefragt

Dr. Thomas Gitzel, Chief Economist VP Bank Group
Lesedauer: 2 Min
Die Suche nach geeigneten Unterstützungsmassnahmen für die vom Coronavirus stark betroffene Wirtschaft hat begonnen. Geldpolitische Massnahmen mögen für die Finanzmärkte beruhigend wirken, doch Zinssenkungen und weitere Wertpapierkäufe sind in der aktuellen Lage nur ein bedingt adäquates Mittel. Denn niedrigere Zinsen bringen nichts, wenn Banken aufgrund der wirtschaftlichen Eintrübung und regulatorischer Vorgaben gezwungen sind, Kreditlinien zu kürzen.

Was die Palette von Instrumenten anbelangt, ist die Europäische Zentralbank (EZB) der US-Notenbank Fed überlegen. Die EZB kann mit Käufen von Anleihen Unternehmen direkt unterstützen. Die Statuten der US-Notenbank erlauben dies nicht. Der «Federal Reserve Act» ist bislang wesentlich restriktiver als die Rahmenrichtlinie der EZB. Kein Wunder also, dass in der vergangenen Woche Eric Rosengreen, Präsident der regionalen Notenbank von Bosten, ein umfangreiches Mandat für Wertpapierkäufe im grossen Stil für die US-Notenbank forderte. Zwar konkretisierte Rosengreen seine Forderungen nicht weiter. Es besteht aber wenig Zweifel, dass er auf den Kauf von Unternehmensanleihen abzielte.  

Effektivere Hilfe kommt in der gegenwärtigen Situation von staatlicher Seite. Zu den Mitteln zählen Steuererleichterungen und staatliche Kreditprogramme. Viele kleinere Unternehmen ächzen bereits unter Liquiditätsengpässen. Sie müssen Löhne zahlen, gleichzeitig gehen die Einnahmen zurück oder bleiben ganz aus. Besonders betroffen ist das Hotel- und Gaststättengewerbe.

Mehrere Regierungen haben dies erkannt und arbeiten an Hilfsprogrammen. US-Präsident Donald Trump kündigte an, er wolle mit dem Kongress unter anderem über Lohnsteuererleichterungen sowie über Kredite für Kleinunternehmen reden. Angedacht seien auch Hilfen für Arbeitnehmer im Stundenlohn. Wer auf Stundenbasis bezahlt wird und kaum Arbeitsschutz geniesst, ist in den USA besonders hart betroffen. In Deutschland steht der Finanzminister Olaf Scholz mit der «Kreditanstalt für Wiederaufbau» (KfW) im Gespräch, um Finanzierungen zu ermöglichen. Auch die Erleichterungen beim Kurzarbeitergeld sind ein zielgerichtetes Mittel, um über die bevorstehenden schwierigen Monate hinweg zu kommen.

So sehr sich die Finanzmärkte über Unterstützung der Notenbanken freuen, gezielte Hilfe kommt jetzt vor allem von den Regierungen. Die Liquiditätshilfen für kleineren und mittlere Unternehmen können mittels Sonderkreditprogrammen staatlicher Förderbanken sichergestellt werden. Steuererleichterungen und besondere Abschreibungsmöglichkeiten sind weitere Instrumente, um Unternehmen finanziell zu entlasten. Den Arbeitnehmern ist am besten mittels Lohnfortzahlungshilfen geholfen.

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