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Spotanalyse

Deutschland: Mehr als eine Stagnation lag nicht drin

Lesedauer: 2 Min
Das deutsche Bruttoinlandsprodukt stagniert im vierten Quartal. Die deutlich rückläufige Industrieproduktion im Dezember liess es bereits erahnen: Der deutschen Wirtschaft war es im Schlussquartal nicht möglich, zu wachsen. Dabei kann noch von Glück gesprochen werden, dass nicht ein Minus zu Buche steht.

Handelskonflikte und der Brexit bekamen der deutschen Volkswirtschaft gar nicht gut. Noch fehlen die Details, doch vom Aussenhandel und von den Ausrüstungsinvestitionen kamen keine Impulse. Der private und vor allem der öffentliche Konsum dürften wohl Schlimmeres verhindert haben. In der Summe gilt deshalb: Mehr als Stagnation lag nicht drin.

Jahrelang wurde von Rekordmarke zu Rekordmarke geeilt. Steigende Beschäftigungszahlen, Rekordabsatz im Maschinen- und Anlagenbau und eine florierende Automobilwirtschaft liessen vergessen, wie anfällig die deutsche Volkswirtschaft eigentlich ist. Deutschland ist Spielball der Weltkonjunktur.

Gleichzeitig stellte sich auch eine Trägheit ein. Die aus den USA kommende Elektromobilität wurde zu lange müde belächelt. Jetzt muss die deutsche Automobilwirtschaft im Hauruckverfahren umsatteln. Leidtragender ist der Maschinen- und Anlagenbau mit den Zulieferbetrieben für BMW, Daimler, VW & Co.

Die Handelsstreitigkeiten sind vorerst beigelegt, was für eine leichte Erholung im verarbeitenden Gewerbe spricht. Gleichwohl müssen zunächst erst einmal die Auswirkungen des Coronavirus verdaut werden. Der strukturelle Wandel bleibt aber eine Belastung für das Wachstum. Es sollte nicht schöngeredet werden, dass die Umstellung auf die Elektromobilität Arbeitsplätze kosten wird. Es bedarf einer Innovationsagenda. Deutschland hat einen Schatz: seine guten und renommierten Ingenieursschmieden. Diese PS müssen mit neuen Unternehmen auf die Strasse gebracht werden. Die Wachstumsdelle rüttelt wach. Jetzt heisst es aufstehen und Gas geben.

 

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Dr. Thomas Gitzel
Chief Economist, VP Bank Group     

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