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Spotanalyse

Deutschland: Es geht wieder aufwärts – Auftragsbücher füllen sich wieder

Dr. Thomas Gitzel, Chief Economist VP Bank Group
Lesedauer: 2 Min
Die Auftragseingänge legen im Mai um 10.4 % zu.

Das Schlimmste liegt hinter uns. Die Auftragseingänge für die deutsche Industrie legen im Mai kräftig zu. Zwar liegt das Plus unter den Analystenerwartungen, doch immerhin wird ein zweistelliger Zuwachs verbucht. Aus dem Inland kann sich die deutsche Industrie über 12.3 % mehr Aufträge gegenüber dem Vormonat freuen. Die Bestellungen aus den benachbarten Ländern der Eurozone sprudelten regelrecht. Hierbei wurde ein Plus von 20.9 % verbucht.

Nach Beendigung der Eindämmungsmassnahmen und dem Anfahren der globalen Wirtschaft füllen sich die Auftragsbücher wieder. Dabei ist das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht. Auch in den kommenden Monaten dürften sich die Unternehmen weiterhin über ein höheres Bestellvolumen freuen. Mehr Bestellungen heisst gleichzeitig mehr Produktion und mehr Beschäftigung. Das ist eine gute Nachricht für alle Arbeitnehmer, die von Kurzarbeit betroffen sind.

Die guten Daten sollten allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Krise längst noch nicht abgeschüttelt ist. Die Corona-Pandemie macht ein rasches Zurück zu den Ausgangsniveaus vorerst nicht möglich. Auch wenn nun Aufholprozesse starten, wird eine Lücke zu den ursprünglichen Produktionsniveaus verbleiben. Wie gross diese Lücke ausfällt, wird auch vom weiteren Virusverlauf abhängen. Die fortgesetzte rasche Ausbreitung des Coronavirus in den USA lässt für den Auftragseingang aus Übersee wenig Gutes erwarten. Die stellenweise noch immer unterbrochenen Lieferketten werden sich ebenfalls noch längere Zeit negativ bemerkbar machen – insbesondere der Transport über die Weltmeere. Hierzu passt, dass das Auftragswachstum aus Ausland ausserhalb der Eurozone im Mai lediglich mit 2 % wuchs. Aber auch in den benachbarten Ländern der Eurozone bleibt die wirtschaftliche Situation schwierig. Die deutsche Industrie wird also noch geraume Zeit an den Folgen des Virus knabbern. Doch zunächst sollten wir uns über die heutige Zahl freuen. Es geht zumindest wieder voran – und das zählt.

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