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Spotanalyse

Der Aussenhandel Deutschlands belebt sich wieder

Dr. Thomas Gitzel, Chief Economist VP Bank Group
Lesedauer: 2 Min
Die Exporte legen im Mai gegenüber dem Vormonat um 9 % zu. Das Importwachstum fällt mit 3.5 % verhältnismässig schwach aus.

Gemessen am Zahlenwerk ist es eine gute Woche für die deutsche Industrie. Die Auftragseingänge, die Industrieproduktion und heute die Exporte – alle steigen. Nach den zurückliegenden schweren Monaten kann das verarbeitende Gewerbe wieder etwas Boden gut machen. Die Lockerung der Eindämmungsmassnahmen im In- und Ausland machen sich nun entsprechend im Aussenhandel bemerkbar. Die Zahlen zu den Exporten und Importen sind auch im Zusammenhang mit besser funktionierenden Logistikketten zu sehen.

Zwar kann das Exportwachstum nicht die Erwartungen der Analysten erfüllen, doch es ist derzeit schwierig, Prognosen für Monatsdaten zu erstellen. Die Gemengelage ist nach wie vor schwer einschätzbar. Die Zahlen sollten also nicht an den Erwartungen gemessen werden, sondern absolut. Ein Exportwachstum von 9 % im Monatsvergleich legt bestes Zeugnis dafür ab, dass die internationale Produktion wieder anfährt. Das ist, was zählt, und nicht etwa, dass die Erwartungen über- oder untertroffen wurden.

Enttäuschend ist hingegen das verhältnismässig schwache Importwachstum. Der Hunger nach Vorleistungsgütern scheint nicht allzu gross zu sein. Das mahnt zur Vorsicht. Immerhin bedeutet dies für das Bruttoinlandprodukt, dass der Absturz im zweiten Quartal weniger prägnant ausfallen dürfte als vielerorts befürchtet wird.

Die Aussenhandelszahlen machen nach den epochalen Abstürzen der Vormonate deutlich, dass es noch ein langer Weg ist zurück zum Normalzustand. Der Exportmotor stotterte bereits vor der Corona-Krise. Die durch die USA ausgelösten Handelskonflikte belastet die Investitionsstimmung schon seit längerem. Die Corona-Krise setzt dem noch eins oben drauf. Auch die weltweit ansteigenden Infektionszahlen stimmen für eine rasche globale konjunkturelle Erholung nicht zuversichtlich.

Zusammenfassend gilt: Das verarbeitende Gewerbe sieht wieder Licht am Ende des Tunnels. Allerdings werden die Produktionskapazitäten vorerst in weiten Teilen der Industrie unterausgelastet bleiben. Das Echo der Corona-Pandemie wird für die Exportwirtschaft noch lange zu hören sein.

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