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News aus den Finanzmärkten

Was uns Anleger 2020 bewegt

Lesedauer: 3 Min
Der Finanzmarkt folgt nicht immer der Konjunktur, das hat das Jahr 2019 bewiesen. Wir zeigen, welche Themen 2020 dominieren werden.

So stark wie im Jahr 2019 klaffte die Lücke zwischen Börsen- und Konjunkturentwicklung nur selten und das macht die Beurteilung der Aussichten nicht einfacher. Als grosse Bürde für die Wirtschaft erwiesen sich die schwachen Ergebnisse des Industriesektors. Was in China und Europa begann, erfasste schliesslich auch die produzierenden Unternehmen der USA und führte weltweit zu einer nachlassenden Konjunkturdynamik. Die Finanzmärkte, welche vor dem Wechsel 2018/19 eine starke Korrektur verzeichneten, zeigten sich das ganze Jahr über äusserst widerstandsfähig. Mit Ausnahme von Geldmarktanlagen generierten alle Anlageklassen Gewinne. Während Konjunkturängste Kursgewinne auf Anleihen bescherten, kletterten viele Aktienmärkte trotz fehlendem Gewinnwachstum auf neue Höchststände. Perioden der Unsicherheit gab es nur wenige, zumeist herrschte Gelassenheit, entgegen aller Hiobsbotschaften und Unsicherheiten von Seiten Konjunktur und Politik.

Wie passt das zusammen?

Ungeachtet der satten Gewinne ist an den Börsen derzeit kein Überschwang auszumachen. Die Stimmung erscheint angesichts des Umfelds zwar optimistisch, aber nicht euphorisch. Doch wie lässt sich diese lange Phase der Abkopplung zwischen Real- und Finanzwirtschaft erklären?
Im Jahr 2018 diskutierten die Notenbanken den anstehenden Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik. Viele von ihnen haben begonnen, ihre aussergewöhnlichen Massnahmen langsam zurückzunehmen. So stellte die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Anleihenkäufe ein. Einzelne Währungshüter, allen voran die amerikanische Fed, erhöhten sogar den Leitzins. Angesichts der Börsenverluste im vierten Quartal und der gestiegenen Konjunkturrisiken kam Anfang 2019 die Kehrtwende. Auf die verbalen Unterstützungsabsichten folgten Leitzinssenkungen. Auch hier waren die USA federführend, setzten aber durch ihr Handeln andere Notenbanken unter Zugzwang, mit dem Ergebnis einer erneuten globalen Lockerung der Geldpolitik. In der Interpretation der Anleger stellte das frühe und aktive Einschreiten ein klares Bekenntnis der Währungshüter zur Unterstützung der Finanzmärkte dar, die damit das Risiko einer Rezession vernachlässigten und die Preise sämtlicher Anlagen in die Höhe trieben.

Kurse und Unternehmensgewinne laufen auseinander

So sehr dies Investoren erfreut, die Bewertungen haben sich dadurch spürbar verteuert. Damit ist die Fallhöhe, sollten sich die Risiken dennoch materialisieren, gestiegen. Die Bewertungen können sich aber auch als legitim erweisen, wenn sich das Umfeld verbessern würde. Ob die Zugewinne berechtigt sind, ist somit von dem Pfad abhängig, der in den kommenden Monaten eingeschlagen wird. Wir haben verschiedene Determinanten identifiziert, welche diesen Kurs massgeblich bestimmen werden. Mögliche Entwicklungen haben wir in drei Szenarien zusammengefasst, ein Basisszenario "Weiter so", ein Negativszenario "Wenn was schief geht" und ein Szenario mit dem Titel "Gleicher und grüner" (siehe unten).

Das Jahr 2020 wird von einer stattlichen Anzahl und Breite von Themen dominiert. Jedes davon kann sich schnell in eine positive, aber auch negative Richtung entwickeln. Wir empfehlen Investoren jedoch, sich nicht zu einseitig auf ein Szenario zu versteifen. Die Grundausrichtung eines Portfolios sollte dem Basisszenario entsprechen. Deshalb sind Aktien, aber auch Anleihen von soliden Schuldnern, für uns weiterhin Kernbestandteile. Die Beimischung von nicht konjunktursensitiven Anlagen, wie Gold oder auch Insurance-linked Securities, erachten wir als zusätzliche wichtige Bausteine für die Positionierung im gegenwärtigen Umfeld.

Der VP Bank Chief Investment Officer Dr. Felix Brill beantwortet im folgenden Video vier Fragen zum Ausblick.

Basisszenario

  • Wirtschaftliche Realität zwingt Politik vorerst zur Vernunft
  • Schwieriges Konjunkturumfeld, das sich im Jahresverlauf etwas aufhellt
  • Notenbanken halten an der expansiven Geldpolitik fest
  • Moderat höhere Renditen und Spreads
  • Aktienmärkte profitieren vom besseren Umfeld

Negativszenario

  • Auf das Scheitern im Handelskonflikt folgen weitere politische Eskalationen die sich auch auf die Wirtschaft durchschlagen
  • Industrie-Schwäche steckt andere Bereiche an und führt zu einer Rezession
  • Massnahmen der Notenbanken greifen nicht mehr ausreichend
  • Märkte verlieren Vertrauen
  • Folgen des Handelskonflikts führen schliesslich zur (späten) Rückbesinnung auf wirtschaftliche Zusammenarbeit

Szenario gleicher und grüner

  • Ungleichheiten sind an einem Wendepunkt
  • Proteste über soziale Ungleichheiten und Klimaschutz, negative Folgen der Notenbankpolitik, Umdenken bei Managern, aktuelle Konjunkturschwäche führen zu politischem Kurswechsel
  • Fiskaler Stimulus für einen Social & Green Deal
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