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Spotanalyse

Versöhnliche Worte und Taten auf dem G20-Gipfel

Lesedauer: 2 Min
Man ist nicht gerade verwöhnt, was versöhnliche Worte und Taten des US-Präsidenten anbelangt. Doch der G20-Gipfel überraschte dieses Mal tatsächlich auf der positiven Seite. Das Treffen von Donald Trump und Xi Jinping gibt Hoffnung, dass es doch noch zu einer Lösung im Handelskonflikt kommt.

Der US-Präsident kündigte nicht nur einen Neustart der am 6. Mai ins Stocken geratenen Handelsgespräche an, sondern gab auch überraschenderweise bekannt, dass er die Sanktionen gegenüber dem chinesischen Telekommunikationsausrüster Huawei lockern werde. Das Unternehmen kann wieder Komponenten aus den USA beziehen. Dieser Schritt ist durchaus bemerkenswert, da Trump hier auf Distanz zu den Hardlinern in der US-Administration geht. Einige Herren im Weissen Haus erachten Huawei als Bedrohung der nationalen Sicherheit, weshalb gegen das Unternehmen mit harter Hand vorgegangen werden müsse. Die Bereitschaft die Handelsbeschränkungen gegenüber Huawei aufzuheben, erhöht jedenfalls die Chance auf das Zustandekommen eines Handelsabkommens bis Ende des Jahres.

Euphorie ist aber fehl am Platz. Der Weg ist noch weit, denn die zugrunde liegenden strategischen Spannungen zwischen den USA und China werden sich nicht plötzlich in Luft auflösen. Letztlich geht es auch um die zukünftige Vormachtstellung zweier Supermächte. Es sollte bedacht werden, dass die Falken in der US-Administration weiterhin versuchen werden, die Handelsgespräche zu untergraben und den Druck auf Huawei möglichst hoch zu halten.

Donald Trump muss sich nun mit seiner auf dem G20-Gipfel gezeigten gemässigten Linie durchsetzen. Das wird er vermutlich auch. Das Interesse an einer Verhandlungslösung dürfte in den vergangenen Wochen gewachsen sein. Der Blick auf den volkswirtschaftlichen Datenkranz zeigt, dass die USA aufgrund der Handelskonflikte Gefahr laufen, selbst Schaden zu nehmen. Die Stimmung im verarbeitenden Gewerbe trübt sich ein. Es wird nicht lange dauern, bis der US-Arbeitsmarkt darunter leidet. Gerät aber der Jobaufbau ins Stocken, droht Donald Trump im kommenden Jahr eine Niederlage bei den Präsidentschaftswahlen. Es liegt also im ureigenen Interesse von Donald Trump nun für gute Stimmung zu sorgen. An den Finanzmärkten dürfte man derweil mit Erleichterung auf die Annäherung zwischen den USA und China reagieren.

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Dr. Thomas Gitzel
Chief Economist, VP Bank Group                                  

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