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Spotanalyse

USA: Rekordjagd am Arbeitsmarkt ist vorbei

Lesedauer: 2 Min
In den USA sind im September 136‘000 Stellen geschaffen worden (ohne Landwirtschaftssektor). Die Arbeitslosenquote fällt von 3.7 % auf 3.5 %. Wie wichtige konjunkturelle Frühindikatoren zeigen, kommt der gute Lauf am Arbeitsmarkt aber zu einem Ende.

Der Arbeitsplatzaufbau in der US-Wirtschaft mag zwar gemessen an den Erwartungen etwas enttäuschen, doch per saldo ist die ausgewiesene Zahl durchaus als solide zu bezeichnen. Das ist die gute Nachricht. Wie wichtige Konjunkturfrühindikatoren zeigen, kommt der gute Lauf am Arbeitsmarkt aber zu einem Ende. Es ist unübersehbar, dass der Stellenaufbau in den vergangenen Monaten geringer ausfiel. Der Lohndruck lässt ebenfalls nach. Die durchschnittlichen Stundenlöhne legen im September lediglich mit 2.9 % zu.

Unsere Analysen basierend auf regionalen Arbeitsmarktentwicklungen zeigen, dass bereits ab Jahresmitte 2018 ein rückläufiger Trend bei der Einstellungsbereitschaft zu erkennen ist. Die Strafzölle auf chinesische Produkte könnten hierbei eine nicht unbedeutende Rolle gespielt haben. Bislang zeigten die Zollstreitigkeiten vor allem in der exportstarken europäischen Wirtschaft negative Konsequenzen, doch nun scheinen zunehmend die USA selbst unter die Räder zu kommen. Vermutlich werden in den bevorstehenden Monaten die Arbeitsmarktzahlen enttäuschen. Letzteres legen jedenfalls die entsprechenden Komponenten der verschiedenen Einkaufsmanagerindizes nahe.

Generell gilt: Die immer offensichtlichere Abkühlung der US-Konjunktur ist vor allem auf den Handelsstreit zurückzuführen. Der wirtschaftliche Druck auf das Weisse Haus wächst, bei den anstehenden Handelsgesprächen mit China für gute Stimmung und einen vernünftigen Abschluss zu sorgen.

Begründete die US-Notenbank ihre Zinssenkungen in den vergangenen Monaten vor allem mit der schwachen weltwirtschaftlichen Entwicklung, kann sie nun auch auf eine nachgebende US-Wirtschaft verweisen. Der Arbeitsmarktbericht alleine rechtfertigt sicherlich noch keine weitere Zinssenkung, doch die enttäuschenden Konjunkturumfragen sehr wohl. Eine fortgesetzte geldpolitische Lockerung noch in diesem Monat ist durchaus möglich.

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Dr. Thomas Gitzel
Chief Economist, VP Bank Group     

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