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Spotanalyse

Handelsgespräche: Taktik oder setzt Donald Trump weitere Zölle um?

Lesedauer: 2 Min
Noch in der vergangenen Woche standen die Ampeln gemäss Kommentaren von der US-Seite auf Grün, jetzt stehen die Handelsgespräche auf der Kippe bzw. es kommt zumindest zu Verzögerungen.

 Donald Trump gab mittels Tweet bekannt, dass schon am kommenden Freitag Warenimporte aus China mit einem Gegenwert von USD 200 Mrd. nicht mit einem Zollsatz von bislang 10 %, sondern dann mit 25 % belegt würden. Doch dem war nicht genug, weitere Güter im Umfang von USD 325 Mrd. könnten ebenso mit Strafzöllen belegt werden. Damit wären nahezu sämtliche chinesische Waren mit Ziel USA mit einem Strafzoll behaftet. Hintergrund der neuen Feindseligkeit ist, dass Donald Trump die Handelsgespräche zu langsam voran gehen. Aber so ist das nun einmal, der internationale Warenaustausch ist komplex. Handelsabkommen benötigen Zeit. Die chinesische Seite droht nun im Gegenzug damit, die für diese Woche geplante Fortsetzung der Verhandlungen mit den USA aussetzen.

Donald Trump dürfte die Androhung weiterer Zölle als Verhandlungstaktik sehen. Er möchte möglichst rasch zu einem Ergebnis kommen. Klar ist auch, dass der chinesischen Seite an einer Übereinkunft mit den USA gelegen ist. Die Wirtschaft im Reich der Mitte ist angeschlagen und bedarf ohnehin schon der staatlichen Unterstützung. Weitere Erschwernisse im Warenaustausch mit den USA sind deshalb in Peking höchst unwillkommen. Die forsche Art von Donald Trump führt aber zu einem Gesichtsverlust der chinesischen Verhandlungsdelegation. Das Weisse Haus verstösst also gegen wichtige Benimmregeln der asiatischen Kultur. Genau dies macht die geplanten weiteren Gespräche nun auch schwieriger.

Auch wenn sich die US-Wirtschaft bislang im internationalen Vergleich verhältnismässig gut schlägt, eine weitere Eskalation des Handelskrieges würde aber auch jenseits des Atlantiks zu signifikanten Wachstumsbremsspuren führen. Letzteres wären denkbar schlechte Voraussetzungen für die im kommenden Jahr anstehenden Präsidentschaftswahlen. Gerade auch aus diesem Grund sind die Kommentare von Donald Trump bislang als Drohkulisse zu verstehen. Vermutlich werden sich die Gespräche zwischen Washington und Peking noch weiter in die Länge ziehen. Deshalb ist ein erfolgreicher Abschluss der Verhandlungen nach wie vor realistisch. Allerdings gilt es im Hinblick auf die Unkontrollierbarkeit von Donald Trump auch Demut zu bewahren. Die weiteren Entwicklungen müssen jedenfalls sorgsam im Auge behalten werden.

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Dr. Thomas Gitzel
Chief Economist, VP Bank Group       

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