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Spotanalyse

Eurozone: Konjunktureller Frühindikator unverändert

Lesedauer: 2 Min
Der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe der Eurozone bleibt im Oktober unverändert bei 45.7. Der Index für den Dienstleistungssektor legt leicht von 51.6 auf 51.8 zu. Der aggregierte Index für das Gewerbe und den Dienstleistungssektor steigt marginal von 50.1 auf 50.2.

Zunächst einmal gilt: Eine auch nur leichte Erholung ist besser als gar keine Erholung. Die Annäherung in den Handelsgesprächen zwischen den USA und China aber auch die kurzzeitig gestiegenen Chancen auf einen ordentlichen Austritt Grossbritanniens aus der EU dürften zumindest verhindert haben, dass die Einkaufsmangerindizes weiter bergab gingen.

Es wäre aber verfrüht, nun von einer Trendwende auszugehen. Dafür gibt es schlichtweg keine Indikation. Die Entwicklung der deutschen Auftragseingänge für das produzierende Gewerbe zeigt ein nach wie vor trostloses Bild. Auch in Frankreich gab der Geschäftsklimaindex für das verarbeitende Gewerbe des nationalen Statistikamtes Insee zuletzt nach. Gerade letzteres ist keine gute Nachricht, bildete doch die französische Industrie gegenüber der schwächelnden deutschen Industrie lange Zeit ein positives Gegengewicht. Zwar legte der heute veröffentlichte Einkaufsmanagerindex für das französische Gewerbe leicht zu, doch wir messen dem Indikator des Statistikamtes grösseres Gewicht bei.

Ohne den Miesepeter spielen zu wollen, aber auch die Nachrichten aus dem Dienstleistungssektor stimmen nicht gerade zuversichtlich. Zwar konnte der Einkaufsmanagerindex für diesen Sektor leicht zulegen, doch gerade in der grössten Volkswirtschaft des Währungsraumes, also in Deutschland, war erneut ein weiterer Rückgang zu verbuchen. Vermutlich spielen hier die negativen Nachrichten vom Arbeitsmarkt eine Rolle. In der Automobilindustrie und im Maschinenbau mehren sich die Meldungen von Stellenstreichungen, was auch auf andere Bereiche der Wirtschaft ausstrahlt. Für Deutschland droht nun also die Gefahr, dass der noch verhältnismässig gut laufende Dienstleistungssektor ins Stottern gerät.

Bei der heutigen EZB-Ratssitzung wird man sich die Daten der Einkaufsmanagerindizes ebenfalls noch zu Gemüte führen. Unmittelbare Konsequenzen für die Geldpolitik ergeben sich aber nicht. Mario Draghi wird bei seiner letzten Notenbanksitzung eine ruhige Hand bewahren. Die Währungshüter haben im Rahmen ihrer letzten geldpolitischen Zusammenkunft ein grösseres Massnahmenpaket auf den Weg gebracht. Diese müssen zunächst vollständig implementiert und beurteilt werden. Christine Lagarde wird aber wohl schon bald erneut zum Handeln aufgefordert sein. Die konjunkturelle Lage bleibt kritisch.

 

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Dr. Thomas Gitzel
Chief Economist, VP Bank Group

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