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Spotanalyse

Die Fed bekommt kalte Füsse – eiskalte Füsse

Lesedauer: 2 Min
Die Wortwahl der Notenbank wird vorsichtig – fast schon übervorsichtig. Es war davon auszugehen, dass Jerome Powell dovish wird, aber mit diesem Ausmass war nicht zu rechnen.

In Washington lässt man Flexibilität beim weiteren geldpolitischen Kurs erkennen – nach allen Richtungen. Jerome Powell möchte für weitere Zinserhöhungen zunächst einen klaren Anstieg der Inflationsraten sehen. Bei einer weiteren Eintrübung des wirtschaftlichen Umfeldes kommt die Normalisierung der aufgeblähten Bilanzsumme auf den Prüfstand. Konkret bedeutet dies: Die Reduktion der Bilanzsumme um monatlich USD 50 Mrd. würde im Tempo reduziert oder vorerst gar ganz auf Eis gelegt werden. Die US-Notenbank scheint dabei auch gewillt, dauerhaft eine höhere Bilanzsumme beizubehalten.

Die Fed beugt vor. Dies zeigt einmal mehr, dass die US-Notenbank wesentlich schneller auf Veränderungen des wirtschaftlichen Umfeldes reagiert als beispielsweise eine EZB. Der erkennbare Wille im Zweifelsfall nicht lange zu fackeln, schafft Vertrauen an den Finanzmärkten und in weiterer Folge auch bei den Unternehmen selbst. Die US-Notenbank kann unter Umständen alleine durch ihre veränderte Rhetorik einen stärkeren wirtschaftlichen Einbruch verhindern. Doch mit Blick auf die zuletzt veröffentlichten Daten gilt: So schlecht ist es um die US-Wirtschaft gar nicht bestellt. So lässt etwa der heute veröffentlichte Bericht des Arbeitsmarktdienstleisters ADP auf eine nach wie vor robuste Beschäftigungssituation schliessen. Auch wenn mancherorts bereits schon eine nahende Rezession ausgerufen wird, mit Blick auf den aktuellen Datenkranz lässt sich kein Abgesang auf die US-Wirtschaft anstimmen. Ja, vermutlich wird die Wachstumsrate im ersten Quartal alleine aufgrund des Shutdowns äusserst mager ausfallen, aber mit Blick auf den weiteren Jahresverlauf könnte es dann wieder freundlicher aussehen. Von dieser Warte aus betrachtet, ist Jerome Powell fast schon hypersensibel, doch möglicherweise gelingt damit eine sanfte Landung der US-Wirtschaft.

Soviel ist klar: In den kommenden Monaten wird es keine weiteren Zinserhöhungen geben. An den Finanzmärkten herrscht über den Powell-Put helle Freude. Bleibt es bei einer temporären konjunkturellen Delle, sollte die Fed aber im umgekehrten Falle auch nicht abgeschrieben werden. Weitere Zinserhöhungen sind jedenfalls noch nicht vom Tisch.

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Dr. Thomas Gitzel
Chief Economist, VP Bank Group

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