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Spotanalyse

Deutschland: Industrieproduktion im Minus – Rezession wird zur Wahrheit

Lesedauer: 2 Min
Die Industrieproduktion sinkt im September deutlicher als erwartet um 0.6 % gegenüber dem Vormonat.

Das ist  keine schöne Zahl. Mit dem Rückgang der Industrieproduktion im September ist eine technische Rezession fast schon amtlich. Zum Hintergrund: Das deutsche BIP verbuchte im zweiten Quartal einen Rückgang. Würde nun auch das dritte Quartal mit einem negativen Vorzeichen versehen werden, wäre von einer technischen Rezession die Rede. Die heute veröffentlichten Daten lassen dies vermutlich zur Realität werden.

Ob nun von einer Rezession gesprochen werden kann oder nicht, ist aber nicht kriegsentscheidend. Bislang fühlt sich für die meisten Bundesbürger die gegenwärtige Situation nicht an wie eine Phase wirtschaftlicher Kontraktion. Der deutsche Arbeitsmarkt ist noch in verhältnismässig guter Verfassung, sodass für den einzelnen Arbeitnehmer die wirtschaftliche Abkühlung nicht direkt spürbar ist. Es kommt nun darauf an, wie es in den kommenden Monaten weitergeht. Die gestern publizierten Daten zu den Auftragseingängen stimmen zuversichtlich. Füllen sich die Auftragsbücher wieder, bleibt es im Einzelfall bei Kurzarbeit, grössere Entlassungswellen werden vermieden. Matchentscheidend ist also nicht die vergangene Industrieproduktion, oder ob von Rezession gesprochen werden kann oder nicht, sondern die zukünftige Produktionslage. Bleiben die Auftragseingänge in den kommenden Monaten mehrheitlich im Plus, bleibt es bei einer rechnerischen oder technischen Rezession. Bleiben Strafzölle der USA gegenüber europäischen Automobilimporten aus und gibt es eine Lösung bei den Handelsstreitigkeiten, könnte die deutsche Wirtschaft im kommenden Jahr Morgenluft schnuppern.

 

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Dr. Thomas Gitzel
Chief Economist, VP Bank Group     

                          

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