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Spotanalyse

Deutschland: Auftragseingänge sind Beweis für anhaltende konjunkturelle Talfahrt

Lesedauer: 2 Min
Die Auftragseingänge in Deutschlands Industrie sind im Oktober um 0.4 % gesunken. Die Konsensprognose legte einen Anstieg nahe, entsprechend gross ist die Enttäuschung.

Die Daten zum Auftragseingang machen nochmals deutlich, dass die konjunkturelle Talfahrt noch nicht beendet ist. Auch die Details des Zahlenwerkes sind ernüchternd. Unter Herausrechnung der volatilen Grossaufträge gingen die Neubestellungen sogar um 1.4 % gegenüber dem Vormonat zurück.

Das sieht nicht gut aus. Vor allem aus dem Inland und aus dem Ausland jenseits der Eurozone kam es zu deutlich weniger Aufträgen. Erfreuliche Nachrichten kamen hingegen aus der Eurozone, hier war ein Zuwachs von 11.1 % zu verbuchen. Das ändert jedoch nichts an dem insgesamt deprimierenden Datenmaterial.

Der Auftragszuwachs im September war somit kein Zeichen einer Stabilisierung sondern ein Ausreisser. Bereits die gestrige Veröffentlichung der Auftragseingänge des Verbandes der Maschinen- und Anlagenbauer machte klar, dass für das heutige Zahlenwerk wohl nicht allzu viel zu erwarten war.

Tatsächlich ist derzeit die Frage, was den wirtschaftlichen Abwärtstrend stoppen könnte. Der aktuelle Abschwung ist dieses Mal breit gelagert, da vielfältige Faktoren am Werk sind. Zum einen ist eine klassische zyklische Abkühlung zu beobachten. Nach dem konjunkturellen Dauerhoch der vergangenen Jahre muss eine wirtschaftliche Talfahrt nicht weiter verwundern, schliesslich kann es nicht auf Ewigkeit gut laufen.

Doch das ist leider nur die halbe Wahrheit. Es gesellen sich mit den Handelskonflikten und dem Strukturwandel in der Automobilwirtschaft zwei schwerwiegende Belastungen hinzu. Für die deutsche Industrie ist deshalb das Tal der Tränen noch nicht vorüber. Die zunehmende Kurzarbeit legt hierfür bestes Zeugnis ab. Gerne würde man als Volkswirt über einen rosigen Ausblick berichten, doch ein Schönreden hilft nicht. Wir müssen den Tatsachen ins Auge blicken und festhalten, dass es um die Konjunktur weiterhin nicht gut bestellt ist.

 

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Dr. Thomas Gitzel
Chief Economist, VP Bank Group     

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