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Spotanalyse

Der Franken notiert gegenüber dem Euro wieder unter der Marke von 1.10

Lesedauer: 2 Min
Der Schweizer Franken bleibt eine gefragte Währung und testet gegenüber dem Euro Notierungen von unter 1.10. Zuletzt war dies im Juli 2017 der Fall.

Die globale konjunkturelle Abkühlung, die Handelskonflikte, die Furcht vor einem harten Brexit und der Iran-Konflikt treiben Anleger in sichere Währungshäfen. Dazu zählt nicht nur der Franken, sondern auch der japanische Yen konnte über die vergangenen Wochen hinweg Boden gut machen. Es sollte auch nicht vergessen werden, dass der handelsgewichtete US-Dollar-Index trotz der in Aussicht gestellten Zinssenkungen der Fed seit Jahresbeginn zugelegt hat. Sicherheit bleibt also gefragt. Für den Franken spricht derzeit auch, dass die EZB weitere geldpolitische Lockerungsmassnahmen in Aussicht gestellt hat - zunächst in Form einer Zinssenkung.

Die Nervosität auf Seite der SNB dürfte wachsen. Mit raschen Aktionen ist aber dennoch nicht zu rechnen. Die eidgenössischen Währungshüter stehen vor einer denkbar ungünstigen Ausgangssituation. Die Zinsen sind ohnehin im tiefroten Bereich und Eingriffe am Währungsmarkt blähen die Bilanz der SNB weiter auf. Darüber hinaus könnte Donald Trump im Falle von Devisenmarktinterventionen die Schweiz verbal ins Visier nehmen. Währungsmanipulatoren sind dem US-Präsidenten ein Dorn im Auge. Fakt ist derweil aber, dass Interventionen am Devisenmarkt noch immer fester Bestandteil des geldpolitischen Werkzeugkastens sind. Euro-Käufe durch die SNB sollten deshalb – trotz etwaigem Gegenwind aus dem Weissen Haus -  ins Kalkül gezogen werden. Eine Zinssenkung dürfte zunächst nicht zu den präferierten Optionen gehören. Am wahrscheinlichsten ist es, dass die SNB zunächst zuwarten wird. Der Blick richtet sich dabei in Richtung Frankfurt.

Hinsichtlich des Franken gilt: Seit dem Jahr 2016 bewegen sich die Währungspaare EUR/USD und EUR/CHF Hand in Hand. Der Wechselkurs der europäischen Gemeinschaftswährung gegenüber dem US-Dollar spricht aktuell gegen nachhaltige Notierungen von unter 1.10 des Franken gegenüber Euro. Anders formuliert: Erst wenn der Euro breitflächig unter Druck käme, wäre der Weg des Franken in Richtung Parität geebnet. Dazu müsste aber die EZB in dieser Woche mit unerwartet aggressiven Aktionen aufwarten. Solange Mario Draghi aber „nur“ leicht den Leitzins senkt und damit den Markterwartungen folgt, dürfte der Franken gegenüber dem Euro über der Marke von 1.10 auf Sicht der kommenden drei bis sechs Monate notieren.

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Dr. Thomas Gitzel
Chief Economist, VP Bank Group                                  

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