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Spotanalyse

Ab heute verhängt die USA Strafzölle auf EU-Importe

Lesedauer: 2 Min
Die Strafzölle der USA auf EU-Importe sind heute in Kraft getreten. Im Unterschied zu bisherigen Zöllen des US-Präsidenten im Rahmen von Handelskonflikten beruht der Beschluss aber auf einem Schiedsspruch der Welthandelsorganisation WTO, der es Trump erlaubt, EU-Waren im Wert von USD 7.5 Mrd. jährlich mit Strafzöllen zu belegen.

Der WTO-Erlass steht in Zusammenhang mit einem vor 15 Jahren begonnenen Verfahren, in dem sich die EU und die USA gegenseitig beschuldigen, den Flugzeugbauern Airbus und Boeing illegale Subventionen gewährt zu haben. Ab heute sind nun auf Airbus-Flugzölle Strafzölle von 10 % fällig, bei allen anderen Importgütern auf der Liste (u.a. italienischer Parmesankäse, spanisches Olivenöl, Wein oder britische Wollpullover) sind es 25 %, - ausgenommen sind Flugzeugteile. Die WTO hat aber bereits festgestellt, dass in den USA ebenfalls unzulässige Subventionen an Boeing geflossen sind. Aller Voraussicht nach wird die WTO im kommenden Jahr ein Urteil hierzu fällen.

Die nun gültigen Strafzölle werden zwar vereinzelt weh tun, sie werden aber die europäische Wirtschaft nicht ins Wanken bringen. Viele der mit Strafzöllen belegten Güter dürften verhältnismässig preisunelastisch sein. Parmesankäse kommt nun einmal aus der Region Parma. US-Verbraucher werden sich den Genuss dieser Spezialität vermutlich nicht verderben lassen. Ähnliches gilt für spanisches Olivenöl oder auch Wein. Im Falle von Airbus sollte beachtet werden, dass bei der Aushandlung von Flugzeugverträgen ohnehin ein größerer Preisspielraum besteht. Der europäische Flugzeughersteller wird mit dem nun fälligen US-Importaufschlag umzugehen wissen. Zusätzlich gilt: US-Luftfahrtunternehmen werden wohl auch weiterhin Airbus bestellen, denn letztlich ist der europäische Flugzeughersteller auch für die Differenzierung der Flotte ein wichtiger Partner.

Sollte es im kommenden Jahr möglicherweise zu europäischen Strafzöllen auf Boeing kommen, wird dies den US-Flugzeughersteller stärker belasten. Für Boeing ist der europäische Absatzmarkt von größerer Bedeutung, als der US-Markt für Airbus.

Strafzölle der USA gegenüber Europa werden erst im Falle von Autozöllen zu einem schwerwiegenden Problem. Kraftfahrzeuge und Teile stellen nach Maschinen das zweitwichtigste Exportgut der EU dar. Im Jahr 2018 belief sich das entsprechende Volumen auf EUR 205 Mrd., was rund 11 % aller Ausfuhren entspricht. Nach Angaben der Handelsstatistiken der Vereinten Nationen entfielen davon wiederum EUR 54. Mrd. auf die USA. Vor allem für die deutschen Automobilhersteller könnte dies zu einem Problem werden. Donald Trump wird Mitte November ein Urteil fällen, ob es soweit kommt. Auch wenn derzeit eine gewisse Entspannung gegenüber der chinesischen Seite erkennbar ist, schon bald könnte Europa ins Visier geraten.

 

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Dr. Thomas Gitzel
Chief Economist, VP Bank Group     

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