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Fondsdomizil im Fokus: Luxemburg, Liechtenstein oder Schweiz?

Marc Fischer, Head Fund Client Solutions & Services VP Fund Solutions (Liechtenstein) AG
Lesedauer: 3 Min
Die Auflage eines neuen Fonds ist ein komplexer Prozess, bei dem strategische, regulatorische und marktbezogene Überlegungen eng miteinander verzahnt sind. Im Kern dient ein Fonds da-zu, eine Anlagekompetenz in ein skalierbares Produkt zu überführen und Anlegern einen effi-zienten Zugang zu einer spezifischen Anlagestrategie zu ermöglichen. Entsprechend zentral ist es, die Anlagestrategie, ihre operative Umsetzung sowie die anvisierten Zielmärkte und Kunden-segmente ganzheitlich zu analysieren. Erst auf dieser Basis lassen sich geeignete Fondsstruktu-ren, Domizile sowie die relevanten regulatorischen und steuerlichen Rahmenbedingungen defi-nieren.

Die Wahl des Fondsdomizils als zentrale Weichenstellung

Ein wichtiger Entscheid ist insbesondere die Wahl des Fondsdomizils. Dieses muss nicht nur über eine ausgezeichnete Reputation, politische Stabilität und eine leistungsfähige Infrastruktur verfügen, sondern auch über das notwendige Fachwissen und ausreichende Kapazitäten für die Auflage und den laufenden Betrieb kollektiver Kapitalanlagen. Darüber hinaus gewinnen Faktoren wie Flexibilität in der Produktgestaltung, Qualität und Verfügbarkeit lokaler Dienstleister, Akzeptanz bei Investoren sowie die Dauer und Effizienz des aufsichtsrechtlichen Genehmigungsprozesses zunehmend an Bedeutung. Ebenso zentral sind steuerliche Aspekte – sowohl auf Ebene des Fonds als auch auf Ebene der Investoren –, insbesondere im Zusammenhang mit Doppelbesteuerungsabkommen und Quellensteuern.

Gerade in Gesprächen mit Banken und Asset Managern mit aktivem Vertrieb zählt die Wahl des Fondsdomizils zu den wichtigsten Fragestellungen im Strukturierungsprozess. Aus unserer Erfahrung lohnt es sich in jedem Fall, diese Grundsatzentscheidung sehr sorgfältig zu analysieren, da eine spätere grenzüberschreitende Neu-Domizilierung mit erheblichem regulatorischem, operativem und zeitlichem Aufwand verbunden ist.

Für das optimale Fondsdomizil empfehlen wir eine präzise Analyse sowie die frühzeitige Einbindung von Experten.

Marc Fischer Head Fund Client Solutions & Services VP Fund Solutions (Liechtenstein) AG

Luxemburg, Liechtenstein und die Schweiz im Vergleich

Luxemburg ist Europas führender Fondsstandort und rangiert weltweit – nach den USA – auf Platz zwei. Das Land verfügt über eine langjährige Tradition im Fondsbereich und wird international als etablierter und verlässlicher Fondsstandort wahrgenommen. Entsprechend breit ist das Spektrum an verfügbaren Fondsstrukturen, insbesondere im UCITS‑ und AIF‑Segment. Für international tätige Asset Manager bietet Luxemburg einen standardisierten regulatorischen Rahmen sowie eine gut ausgebaute Fondsinfrastruktur. Die EU‑Passfähigkeit ermöglicht einen grenzüberschreitenden Vertrieb innerhalb des europäischen Binnenmarkts, wobei Luxemburg vor allem bei grossvolumigen und international ausgerichteten Fondsstrukturen Anwendung findet.

Liechtenstein hat sich insbesondere als attraktives Fondsdomizil für Private Label Fonds und für alternative Anlagen etabliert. Dies sowohl für Fonds für aktiven Vertrieb als auch Strukturen für Familienvermögen. Für Schweizer Fondsanbieter fungiert Liechtenstein als Teil des Europäischen Wirtschaftsraumes als effizientes Tor zum EU‑Binnenmarkt. Neben wettbewerbsfähigen Kosten und vergleichsweise kurzen Bewilligungszeiten überzeugt der Standort durch tiefgehendes Spezialwissen sowie massgeschneiderte Lösungen für anspruchsvolle Anlagestrategien. 

Schweizer Fonds werden vorwiegend von inländisch orientierten Instituten sowie von Schweizer institutionellen Anlegern genutzt. Da die Schweiz nicht Teil des Europäischen Wirtschaftsraums ist, ist ein aktiver Vertrieb ausserhalb der Schweiz deutlich eingeschränkt. Zusätzlich kann die Schweizer Verrechnungssteuer auf Ausschüttungen eines Schweizer Fonds für ausländische Anleger einen substanziellen Nachteil darstellen. Volumenmässig stammt der überwiegende Teil der Schweizer Fonds aus dem Vorsorgebereich, häufig auch in Form massgeschneiderter Einanlegerfonds.

Liechtenstein, Luxemburg und die Schweiz haben in den vergangenen Jahrzehnten gezeigt, dass sie regulatorische Anforderungen als strategische Chance verstehen und Innovation aktiv fördern. Besonders Luxemburg hat sich durch die frühe Umsetzung der UCITS‑Richtlinie und kontinuierliches Wachstum zu einem der weltweit führenden Fondsstandorte entwickelt. Liechtenstein wiederum hat sich als bedeutender Cross‑Border‑Hub für Private‑Label‑Fonds etabliert und zeichnet sich durch Schnelligkeit gepaart mit attraktiven Kostenstrukturen insbesondere für tiefere Lancierungsvolumen aus. Die Schweiz ist insbesondere angezeigt für Schweizer Vorsorgeeinrichtungen und rein inlandfokussierte Institute.

Fondsdomizil: strategische Weichenstellung für Vertrieb, Struktur und Effizienz

Die Wahl des passenden Fondsdomizils hängt von zahlreichen Faktoren sowie deren Gewichtung im Rahmen der konkreten Strukturierung und Zielsetzung ab. Eine umfassende Analyse sowie die frühzeitige Einbindung erfahrener Experten sind aus unserer Sicht daher zu empfehlen.

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