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Spotanalyse

Deutsche Industrie mit markant weniger Aufträgen aus Eurozone

Lesedauer: 2 Min
Die Auftragseingänge für die deutsche Industrie fallen auch im Dezember deutlich um 2.1 % gegenüber dem Vormonat. Der Auftragsrückgang aus der Eurozone war mit 13.9% extrem.

Während der Veröffentlichung der deutschen Auftragseingangsdaten hält man als Volkswirt mittlerweile die Luft an. Leider war heute danach kein Durchatmen angesagt. Auch im letzten Monat des Jahres 2019 stand ein deutliches Minus zu Buche. Auch ohne die volatilen Grossaufträge lag der Rückgang bei 1.3 %. Man kann also den Auftragsrückgang nicht auf Sondereffekte schieben. Besonders furchteinflössend sieht der Auftragseingang im Jahresvergleich aus. Gegenüber Dezember 2018 wurde ein Minus von 8.7% vermeldet.

In der ganzen Eurozone stimmt etwas nicht. Es klemmt gewaltig. Ein Auftragsrückgang von 13.9% im Monatsvergleich kommt nicht allzu häufig vor. Die Handelskonflikte und das Ausscheiden Grossbritanniens aus der EU haben zum Jahresende massiv belastet.

Mit dem rückläufigen Auftragseingang zum Jahresende gibt es keine Hoffnung mehr auf eine anziehende Industrieproduktion im laufenden ersten Quartal. Damit läuft die deutsche Volkswirtschaft Gefahr, erneut einen Rückgang des Bruttoinlandprodukts (BIP) verbuchen zu müssen. Die Rezession in der deutschen Industrie setzt sich fort, die Wirtschaft läuft also nur mit einem Zylinder. Die Binnenwirtschaft bleibt die Stütze, massgeblich getragen von einem robusten privaten und öffentlichen Konsum. Die Exportwirtschaft ist ein Ausfall.

Wichtige Konjunkturfrühindikatoren verbesserten sich zuletzt – gerade auch im Hinblick auf das verarbeitende Gewerbe. Dies legt nahe, dass sich die Auftragseingänge in den kommenden Monaten stabilisieren könnten. Es wäre aber vermessen von einer Flut neuer Aufträge auszugehen. Die globale Industrie wird vorerst nicht zu alter Stärke zurückfinden. Das neue Coronavirus bremst die Entwicklung. Wichtige Lieferketten sind aufgrund von Produktionsausfällen in China unterbrochen. Die gute Nachricht ist, dass es sich um einen temporären Effekt handelt. Im zweiten Quartal kann sogar mit Nachholeffekten gerechnet werden.

Wesentlich schwerer wiegt die Unsicherheit über das zukünftige Verhältnis zwischen der EU und Grossbritannien. Die Aushandlung eines Freihandelsabkommens wird nicht leicht. Einer verbesserten Investitionslaune ist dies nicht dienlich. Darüber hinaus dürfte sich US-Präsident Donald Trump in den kommenden Monaten seine europäischen Handelspartner vorknöpfen. Es ist deshalb nicht davon auszugehen, dass sich die Auftragseingänge deutlich erholen werden.

Das Jahr 2020 wird für die deutsche Wirtschaft ein sehr schwieriges. Aufgrund des deutlichen Rückgangs neuer Bestellungen aus der Eurozone gilt dies wohl auch für den gesamten Kontinent.

 

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Dr. Thomas Gitzel
Chief Economist, VP Bank Group     

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