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News aus den Finanzmärkten

Coronavirus erfasst die globalen Börsen

Lesedauer: 4 Min
Die zunehmende Ausbreitung des Coronavirus ausserhalb Chinas führt heute zu einer starken Korrektur der Finanzmärkte. Die Unsicherheit wird jedoch auch dadurch geschürt, dass die kritische Inkubationszeit länger sein dürfte als bisher angenommen. Waren es bisher primär die chinesischen Börsen, so geraten mit der jüngsten Ausbreitung in Ländern wie Italien und Korea nun auch die restlichen Märkte unter Druck.

Warum reagiert die Börse ausgerechnet heute so stark?

Lange gingen die Märkte davon aus, dass die Folgen zeitlich und örtlich eingeschränkt sind. Dementsprechend sind die Kurse seit Jahresbeginn trotz zwischenzeitlicher Rückschläge angestiegen, wichtige Indizes haben sogar Rekordstände verzeichnet und die Volatilität ist gleichzeitig auf historisch tiefe Werte gesunken. Dies hat die Märkte dementsprechend anfällig für einen Meinungsumschwung gemacht. Doch zunächst wurden die Märkte durch die zuletzt rückläufigen, chinesischen Neuinfektionszahlen in ihrer Ansicht bestätigt. Die rasche Zunahme der Neuinfektionen ausserhalb Chinas lässt die Marktteilnehmer nun aber doch zweifeln. Hinter der deutlichen Marktreaktion dürften nach den starken Vormonaten auch Gewinnmitnahmen stehen. Trotz der starken Abgaben erachten wir die gegenwärtige Marktreaktion nicht als panisch. So reagieren heute insbesondere diejenigen Börsen stark, welche bisher kaum korrigiert haben. Der lokale chinesische Aktienmarkt hingegen verzeichnete heute nur ein kleines Minus.

Unklare Folgen

Mit der zunehmenden Ausbreitung des Virus ausserhalb Chinas und den damit einhergehenden Eindämmungsmassnahmen stellt sich die Frage nach den volkswirtschaftlichen Folgen. Die grössten Konsequenzen ergeben sich durch die Unterbrechung von globalen Lieferketten. Tatsache ist, dass die Wirtschaft durch die gestiegene, internationale Arbeitsteilung und den Abbau von Zwischenlagern für Störungen anfälliger geworden ist. Das erschwert auch die Vergleichbarkeit mit ähnlichen Pandemien in der Vergangenheit. Zu den gegenüber China am exponiertesten Branchen zählen der Automobilbau, die Maschinen-, Chemie- und Elektroindustrie. Noch sind es erst wenige Unternehmen, die ihre Gewinnprognosen angepasst haben, doch weitere werden folgen. Die vergangenen Freitag und heute veröffentlichten europäischen Einkaufsmanager-Umfragen fielen unterdessen unerwartet gut aus. Auch wenn diese Daten nicht überinterpretiert werden sollten, ist es positiv, dass sich die leichte Erholungstendenz der Vormonate fortgesetzt hat. Während gerade im Konsumbereich mit längerfristigen Einbussen zu rechnen ist, handelt es sich bei den zurückgestellten Ausgaben für Investitionsgüter wohl nur um einen temporären Aufschub. Dies zeigte sich bereits bei anderen, vergleichbaren Epidemien wie bspw. SARS. Gewisse wirtschaftliche Unterstützung kommt inzwischen von dem deutlich gefallenen Ölpreis und den erneut gesunkenen Zinsen. Die grösste Unbekannte ist derzeit wohl, wie die Politik auf eine allfällige, weitere Ausbreitung des Virus reagieren wird.

Erste Entspannungstendenzen in China

Die meisten Lieferstörungen sind zumeist auf Werksschliessungen in China zurückzuführen. Um die Ausbreitung des Virus einzudämmen, haben die chinesischen Behörden gewisse Regionen hermetisch abgeriegelt. Nun wurde in sechs Provinzen die Gesundheits-Alarmstufe reduziert. 70 % der grossen Produktionsstätten und 30 % der Klein- und Mittelbetriebe haben mittlerweile ihre Produktion wieder aufgenommen. Weitere dürften folgen. Dennoch hat sich das öffentliche Leben in China bei weitem noch nicht normalisiert. Besonderes Augenmerk dürfte die lokalen Behörden auf die finanzielle Unterstützung der Klein- und Mittelbetriebe legen, damit eine Konkurswelle ausbleibt.

Wie sollen sich Anleger verhalten?

Noch ist unklar, welche globalen Auswirkungen das Coronavirus noch auf die Wirtschaftsaktivität hat. Dabei sind es primär die Folgen der Eindämmungsmassnahmen, die der Wirtschaft zusetzen und den realwirtschaftlichen Erholungstendenzen der letzten Monate gegenüberstehen. Im Fokus stehen dabei temporäre Störungen der globalen Lieferketten. Weiterhin grossen Einfluss auf das Marktgeschehen wird den Notenbanken zugeschrieben. Sollte es notwendig sein, dürften die anderen Notenbanken den Stimulierungsmassnahmen der chinesischen Zentralbank folgen.

Anleger sind gut beraten, auf eine breite Diversifikation innerhalb und zwischen den Anlageklassen zu setzen. Den Kursverlusten der Aktienmärkte stehen Gewinne auf Gold und Anleihen gegenüber. Bei Aktien und Anleihen halten wir an unserem Fokus auf Qualitätswerte fest.

Verantwortlich für den Inhalt
Bernd Hartmann, Leiter CIO Office

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