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Spotanalyse

Schweiz: BIP-Zuwachs bleibt dürftig

Lesedauer: 2 Min
Das BIP legt im Schlussquartal um 0.2 % zu. Das Gesamtjahreswachstum 2018 beläuft sich einer ersten Schätzung zufolge auf 2.5 %.

Das eidgenössische BIP kann sich vom enttäuschenden Wachstum der Eurozone nicht abkoppeln. Genau dies war aber erwartet worden. Der nun veröffentlichte BIP-Zuwachs von 0.2 % ist damit eine negative Überraschung. Die Bauinvestitionen und auch die Ausrüstungsinvestitionen schmälerten das Wachstum. Robust blieb hingegen der private Konsum. Erstaunlich gut lief es im Export, sodass der Aussenbeitrag positiv zum BIP-Zuwachs beitrug. Auch wenn der Rückgang der Ausrüstungsinvestitionen stark vom volatilen Verlauf der Forschungs- und Entwicklungsausgaben geprägt war, bleibt die Investitionstätigkeit im Unternehmensbereich von Zurückhaltung geprägt. Kein Wunder, die Handelskonflikte verderben den Firmen die Laune. Zu hoffen bleibt, dass die laufenden Gespräche zwischen den USA und China zu einem positiven Ergebnis führen. Damoklesschwert bleiben auch noch die angedrohten US-Strafzölle auf europäische Automobile. Käme es zu einer Umsetzung, würde das auch die Schweiz mit ihrer Zuliefererindustrie treffen.

Jetzt aber zum positiven Aspekt: Ein starker Franken und eine allgemeine Wachstumsschwäche in der Eurozone – schwieriger hätte das Umfeld für die eidgenössische Wirtschaft im laufenden Jahr kaum sein können. Aber dennoch blickt die Schweiz im Gesamtjahr 2018 auf einen BIP-Zuwachs von 2.5 % zurück. Das ist eine solide Leistung. Zwar halfen auch Sondereffekte, wie etwa die Lizenzeinnahmen der in der Schweiz ansässigen grossen Sportverbände (FIFA und IOC), doch auch ohne diese Schützenhilfe kann sich das eidgenössische Wachstum sehen lassen.

Auch für das laufende Jahr sieht der Konjunkturausblick bislang robust aus. Der private Konsum wird eine tragende Säule bleiben. Sollte sich im laufenden Jahr die Wirtschaftsentwicklung in der benachbarten Eurozone wieder fangen, könnte im zweiten Semester auch der Aussenbeitrag einen grösseren Wachstumsbeitrag liefern.

Die solide Wirtschaftsentwicklung im Gesamtjahr 2018 zeigt aber auch, dass sich die Schweizerische Nationalbank emanzipieren sollte. Die eidgenössischen Währungshüter ketten sich noch immer verhältnismässig stark an die EZB. Die Furcht vor einer zu starken Aufwertung des Franken ist gross. Doch zu einer Emanzipation gehört nun einmal auch, dass die Währungsentwicklung an Stellenwert verlieren muss.

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Dr. Thomas Gitzel
Chief Economist, VP Bank Group

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