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News aus den Finanzmärkten

Ölpreis-Anstieg verkraftbar

Lesedauer: 3 Min
Der Erdölpreis hat Anfang der Woche nach dem Angriff auf saudi-arabische Produktionsanlagen am Samstag deutlich angezogen.

Was ist passiert?

Es handelte sich um einen Angriff auf die weltweit grösste Ölverarbeitungsanlage in Abqaiq und Khurais. Der Ausstoss wird sich damit um rund 5.7 Mio. Fass Rohöl pro Tag reduzieren. Dies entspricht rund 5 % der globalen Erdöl-Nachfrage.

Gemäss der Internationalen Energie Agentur (IEA) förderte Saudi Arabien im zweiten Quartal 2019 rund 9.8 Mio. Fass pro Tag. Somit sind rund 50% der saudi-arabischen Rohölproduktion betroffen.

Der Rohölpreis der Marke West Texas Intermediate (WTI) ist kurzfristig um mehr als 15 % gestiegen. Dies entspricht einem Rohölpreis von rund USD 62 pro Fass und damit dem Preisniveau von vergangenem Mai.

Was bedeutet das?

Die konjunkturelle Abhängigkeit von Rohöl hat in den letzten Jahren drastisch abgenommen. Gemäss Daten der Weltbank wird global immer weniger Öl benötigt, um die gleiche Wertschöpfung zu erzielen. Alle 10 Jahre reduziert sich die benötigte Rohölmenge, um die gleiche Wertschöpfung zu erzielen, um rund 15 %.

Bleibt ein weiterer deutlicher Anstieg der Ölpreise aus, werden die konjunkturellen Folgen deshalb begrenzt bleiben bzw. vernachlässigbar sein.

Für die Notenbanken ergeben sich keine unmittelbaren richtungsentscheidenden Änderungen. Die Währungshüter betrachten für ihre geldpolitischen Entscheide das Inflationsmass ohne die volatilen Energie- und Nahrungsmittelpreise. Dieses Mass ist in der Eurozone gemessen am Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB) deutlich zu gering, weshalb der geldpolitische Kurs seit vergangenem Donnerstag auf deutliche Lockerung gestellt wurde.  

Auch die US-Notenbank Fed wird am Mittwochabend vermutlich eine weitere Zinssenkung vollziehen. Das von ihr betrachtete Teuerungsbarometer, die sogenannte PCE Kernrate, liegt mit 1.6 % ebenfalls unter der Zielgrösse von 2 %. Wenn überhaupt, dann dürfte der jüngste Ölpreisanstieg das Argument einer geldpolitischen Lockerung noch unterstützen.

Im Ölmarkt sind zudem Überschusskapazitäten vorhanden. Allein in der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) betragen sie gemäss IEA rund 3.3 Mio. Fass pro Tag, wovon allerdings 2.2 Mio. auf Saudi Arabien zurückfallen. Der Rest dieser Kapazitäten sind bei den Vereinigten Arabischen Emiraten, Irak und Kuweit.

Und es gibt Reserven. In der Ländergruppe OECD belaufen sich die staatlich kontrollierten Reserven (per Juni 2019) auf rund 1‘226 Mio. Fass Rohöl. Dies könnte den saudischen Produktionsausfall theoretisch für 215 Tage kompensieren. Saudi Arabien selbst verfügt über Reserven für rund 30 bis 45 Tage ohne auf die Raffinerieanlagen zurückgreifen zu müssen.

Fazit:

Die Angriffe treffen den Erdölmarkt empfindlich. Saudi Arabien ist der drittgrösste Erdölproduzent der Welt (nach den USA und Russland). Sowohl der Zeitpunkt als auch der Ort des Angriffes führen zu einer Anspannung im Rohölmarkt.

Saudi Arabien ist für den Markt von besonderer Bedeutung, denn die Überschusskapazitäten hiessen, das Land konnte umgehend die Förderung erhöhen. Das ist nun nicht mehr im selben Ausmass möglich. Der Anschlag hat ebenso verdeutlicht, wie verwundbar die saudische Rohölproduktion ist.

Die weitere Entwicklung hängt von den verschiedenen Akteuren im mittleren Osten ab. Militärische Aktionen gegen den Iran, der von einigen als Drahtzieher vermutet wird, würden unweigerlich zu einem weiteren Preisanstieg führen, vor allem wenn wichtige Erdölexportrouten wie etwa die Strasse von Hormuz beeinträchtigt wären.

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