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Spotanalyse

Deutschland: Das schöne Arbeitsmarktbild bekommt erste Risse

Lesedauer: 2 Min
Die Arbeitslosenquote in Deutschland steigt im Mai saisonbereinigt von 4.9% auf 5.0%.

Alles hat ein Ende – auch der Rekordlauf am deutschen Arbeitsmarkt. Damit bremst die Konjunkturentwicklung die sonst übliche Frühjahrsbelebung aus. Zwar ist der Anstieg der Arbeitslosenquote unter anderem auf einen Sondereffekt zurückzuführen, doch die konjunkturelle Schwäche dämpft eben auch die Nachfrage nach neuen Arbeitskräften.

Es ist unübersehbar, dass die Unternehmen ihre Beschäftigung anpassen. Der rückläufige Ausstoss in der Industrie macht Produktionsanpassungen notwendig. Erstes Glied in der Kette ist der Einsatz von Zeitarbeitsbeschäftigten. Sollten sich die Auftragsbücher in der deutschen Industrie nicht alsbald wieder füllen, könnte dies die Beschäftigungsnachfrage auch über die Sommermonate hinweg weiter dämpfen.  

Wichtig ist die Unterscheidung von zyklischen und strukturellen Entwicklung am Arbeitsmarkt. Während kurzfristig weitere Blessuren sehr wahrscheinlich sind, bleibt der demografische Wandel ein von der aktuellen Konjunkturentwicklung losgelöster stabilisierender Faktor.

Unternehmen suchen verzweifelt nach Fachkräften. Daran würde selbst eine Rezession nichts ändern. Denn der technologische Wandel ist ein übergeordneter Trend, der permanent Innovationen von den Unternehmen abverlangt. Die Babyboomer-Generation wird sich gleichzeitig in den kommenden Jahren in den Ruhestand verabschieden. Dies wird eklatante Lücken in den Produktionshallen hinterlassen.

Der Arbeitsmarkt wird deshalb im Vergleich zu früheren wirtschaftlichen Schwächephasen verhältnismässig stabil bleiben. Die meisten Firmen werden versuchen, selbst in Flauteperioden ihre Fachkräfte zu halten. Darüber hinaus bleibt auch die Nachfrage nach Handwerkern hoch. Der Bauboom setzt sich fort – auch weil die öffentliche Hand kräftig investiert. Ebenso werden Lehrer, Erzieher und Pflegekräfte gefragt bleiben – und dies völlig losgelöst vom konjunkturellen Verlauf.  

Auf Sicht der kommenden Monate ziehen also Gewitterwolken am deutschen Arbeitsmarkt auf. Die langfristige Beschäftigungsnachfrage steht aber unter Hochdruckeinfluss.

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Dr. Thomas Gitzel
Chief Economist, VP Bank Group                                     

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