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Wirtschaftlicher Ausblick

Wirtschaftlicher Ausblick

Lesedauer: 3 Min
Der politische Wind blies zuletzt recht rau. In Italien sorgte die Regierungsbildung populistischer Parteien für Aufregung, und Donald Trump droht mit weiteren Zollmassnahmen.

Weltwirtschaft: Fest steht bislang, dass die konjunkturelle Entwicklung in der Eurozone tatsächlich Schaden nimmt. Die Handelsdiskussionen und die politischen Widrigkeiten hinterlassen jedoch auch realwirtschaftlich betrachtet Spuren. Es muss aber nicht davon ausgegangen werden, dass der gemeinsame Währungsraum in die Rezession verfällt, vielmehr handelt es sich um eine Phase, in der kleinere Wachstumsraten bevorstehen.

USA: Die US-Konjunktur holt im zweiten Quartal Schwung. Ein anziehender privater Konsum und ein robustes Investitionswachstum schieben die gesamt-wirtschaftliche Expansion an. Damit sind die Vereinigten Staaten im laufenden Jahr eine zentrale globale Wachstums-triebfeder. Die Fed dürfte derweil an ihrem Kurs der moderaten Zinsanhebungen festhalten. Die Preisentwicklung ohne die volatilen Energie- und Nahrungsmittelpreise ist allerdings noch nicht alarmierend hoch, weshalb die US-Notenbanker nicht in Hektik verfallen werden

Eurozone: Wichtige Konjunkturfrühindikatoren gaben zuletzt deutlich nach. Die Zolldiskussion und die Furcht vor einem Handelskrieg, aber auch die politischen Querelen in Italien, drücken auf die Stimmung der Unternehmer. Aber auch ohne das Störfeuer «Handelskrieg» zeichnete sich ein zyklisches Konjunkturhoch ab. Das muss jedoch nicht bedeuten, dass eine Rezession bevorsteht – vielmehr werden die Wachstumsraten in den kommenden Quartalen wohl etwas schwächer ausfallen. Die EZB wird ihre Anleihenkäufe derweil zum Jahresende einstellen. Die Zinsen werden aber noch lange Zeit auf einem sehr tiefen Niveau bleiben.

Deutschland: Um es vorwegzunehmen: Die Konjunkturentwicklung im laufenden Jahr liegt unter den Erwartungen. Nicht nur die Stimmungsindikatoren geben nach, sondern auch die harten Fakten: So fiel der Auftragseingang im produzierenden Gewerbe bislang verhältnismässig dürftig aus. Es bleibt das erste Halbjahr 2018 abzuwarten, um zu ermitteln, ob unser optimistischer Ausblick für die bundesdeutsche Wirtschaft aufrechterhalten werden kann.

Schweiz: Das eidgenössische BIP expandierte mit 0.6 % zu Jahresbeginn 2018 gegenüber dem Schlussquartal 2017. Zentraler Treiber dieser Entwicklung waren die Ausrüstungsinvestitionen. Zwar zeigte sich der Export stark, da jedoch die Importe noch deutlicher zulegten, trug der Aussenhandel leicht negativ zum BIP-Wachstum bei. Auf einen interessanten Aspekt verwies das Staatssekretariat für Wirtschaft: Da gewichtige Sportvereine wie die Vereinigung europäischer Fussballverbände UEFA, der Weltfussballverband FIFA und das Internationale Olympische Komitee (IOK) ihren Sitz in der Schweiz haben, fliessen deren Einnahmen (aus Übertragungsrechten und Lizenzgebühren) ins hiesige BIP ein. Ohne die von ihnen organisierten Grossveranstaltungen entspräche die Wachstumsrate lediglich 0.4 %.

Schwellenländer: Die Lage in der Türkei verschärft sich. Die Lira befindet sich auf Abwärtsfahrt, was auf der anderen Seite die in USD denominierten Staatsschulden erhöht und somit die Bonität des Landes verschlechtert. Die Türkei verlor in Anbetracht der populistischen Politik von Premierminister Erdogan schon in den vergangenen Jahren schleichend an Anlegervertrauen. Die Situation spitzte sich schliesslich zu. Grund dafür waren seine Ausführungen in einem Interview, wonach die Unabhängigkeit der Zentralbank beschnitten werden sollte. Im Anschluss daran entstand aus den Abwertungen der Lira eine Währungskrise. Zwar konnte sich die heimische Valuta aufgrund einer Zinserhöhung der Notenbank im Umfang von 300 Basispunkten etwas stabilisieren, jedoch ist die Gefahr keineswegs gebannt. Unsere Einschätzung hinsichtlich der Entwicklung in den Schwellenländern wird damit bestätigt. Im Jahresausblick verwiesen wir explizit auf Einzelrisiken in einzelnen Staaten – dabei nannten wir insbesondere auch die Türkei. Allerdings wird die aktuelle nationale Krise keinen Flächenbrand auslösen, da sich im Gros der weit industrialisierten Entwicklungsländer die Wirtschaft erholt und sich zumindest stabil entwickelt.

 

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