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Den Heuhaufen kaufen statt die Nadel suchen

Clifford Padevit, Leiter Investment Communication
Lesedauer: 3 Min.
Werden passive Fonds bald Opfer ihres eigenen Erfolgs?

Die Diskussion darüber, ob Fondsmanager den Markt schlagen oder nicht, ist so alt wie dieser Beruf selbst. Nur gab es bis zum 30. August 1976 keine Alternative dazu. Entweder man investierte auf eigene Faust oder man vertraute das Geld einem Fondsmanager an.

Seit fast auf den Tag genau 50 Jahren gibt es diese Alternative, dank John Bogle. Er gilt als Vater des indexierten Investierens. Mit seiner Firma Vanguard legte er den ersten Fonds lautend auf den US-Aktienindex S&P 500 auf. Erstmals war es damit möglich, mit einem geringen Betrag einen ganzen Index auf einmal zu kaufen. Oder wie es Bogle selbst formulierte: «Suchen Sie nicht die Nadel, kaufen Sie den Heuhaufen.» Sicher eine erfolgreiche Idee von Beginn an? 

Lange Durststrecke

Weit gefehlt. Vanguard erhoffte sich ein Startvolumen von 50 bis 150 Mio. US-Dollar, nur 11 Mio. kamen zusammen. Per Ende Mai 2026 verwaltet der Nachfahre des damaligen Fonds 1'700 Mrd. US-Dollar und war damit nur einer von vielen passiven Fonds. Die Idee gewann zusätzlich an Schub, als in den 1990er Jahren solche Fonds über die Börse gehandelt und damit ETF (Exchange Traded Funds) geboren waren.

Fonds, die dem Index folgen, werden als passiv bezeichnet. Passiv sagt aus, dass kein Fondsmanager entscheidet, welche Aktien besser oder schlechter sind. Es ist allein die Zusammensetzung des Index, die bestimmt, welche Aktien gekauft werden. Meistens ist das Kriterium die Marktkapitalisierung.

Clifford Padevit, Leiter Investment Communication

Fonds, die Indizes nachbilden, gehören zu den bedeutendsten Finanzmarkt-Innovationen der letzten 50 Jahre.

Clifford Padevit Leiter Investment Communication

Viele im Finanzmarkt waren skeptisch von der Idee Bogles, manche fanden sie sogar unamerikanisch, weil Investoren von Anfang an «nur» den Marktdurchschnitt anstreben würden. Allerdings erzielt die überwiegende Mehrheit von Fondsmanagern - wir reden von 75 bis 85 % oder noch mehr je nach Marktsegment - über einen längeren Zeitraum nicht bessere Renditen als der Index. Seit 2024 ist in den USA mehr Geld in passiven Fonds investiert als in aktiven. Wird das vielleicht ein Problem? 

Zwei Aspekte geben zu denken. Der erste lässt sich anhand der Weltraumaktie SpaceX erläutern. Dieser Börsengang im Juni hat die Abhängigkeit des Indexierens erneut offengelegt. Denn es liegt allein am Indexanbieter und seinen Regeln, wann eine Aktie in den Index aufgenommen wird. Im weltweiten MSCI Index sind SpaceX-Titel bereits seit Ende Juni enthalten. Gerade bei neuen Aktien schwankt der Kurs am Anfang heftig, weil niemand genau weiss, wo der Preis liegt. Weil die Aktien aber in den Index aufgenommen werden, sind passive Fonds gezwungen, die Aktie zu kaufen. Der Anteil am Index ist zwar minimal. Dennoch: Es offenbart das Problem passiver Fonds. Sie sind nur so gut wie der Index. 

Wer macht den Preis? 

Der zweite Aspekt ist etwas theoretischer. Wenn passive Fonds in Märkten dominant werden, könnte die Preisfindung leiden. Der Preis von Aktien würde sich dann nur ändern, wenn diese Fonds kaufen oder verkaufen, je nachdem ob sie Zu- oder Abflüsse verzeichnen. Wann dieser Kipppunkt erreicht wird? Niemand weiss es. Immerhin: Am Finanzmarkt werden «falsche» Preise wie die Unterbewertung einer Aktie rasch gewittert. Ironischerweise gerade von jenen, die aktiv anlegen. 

Fonds, die Indizes nachbilden, gehören zu den bedeutendsten Finanzmarkt-Innovationen der letzten 50 Jahre. Gerade für Sparer, sind sie ein Segen, auch Profis nutzen sie für ihre Zwecke. Selbst die jüngste Kritik rund um SpaceX, so scheint es, wird ihren Siegeslauf nicht aufhalten können. 

Rechtlicher Hinweis: Die gesetzlich vorgeschriebenen Angaben zu Finanzanalysen finden Sie unter https://www.vpbank.com/de/rechtliche-hinweise

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