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Dividende: fast die halbe Miete

Clifford Padevit, Leiter Investment Communication
Lesedauer: 4 Min
Viel mehr als ein nettes Dankeschön für Aktionäre.

Im Januar geht sie los und dauert bis März: Nicht die Skisaison, sondern die Bilanzsaison der Unternehmen. Zum Beispiel hat Nestlé gestern die Zahlen für 2025 offengelegt. Dabei zählen für Anleger Umsatz, Gewinn und ganz unmittelbar: die Dividende. 

Bei den meisten Unternehmen wird die geplante Dividendenzahlung ganz zu Beginn der Mitteilung genannt, was die Bedeutung zeigt. Aktionäre wollen mit der Dividende am Gewinn teilhaben. Wer glaubt, das seien vernachlässigbare Beträge, sollte unbedingt weiterlesen. 

Stichtag zählt

Die pure Form von Dividende geht so: Ein Unternehmen erzielt in einem Jahr Gewinn. Ein Teil davon geht an die Eigner, also die Aktionäre. Wieviel Geld ausgeschüttet wird, bestimmen die Aktionäre selbst. An der jährlichen Generalversammlung (GV) – in der Schweiz finden sie zwischen März und Mai statt – heissen sie den Betrag gut, den der Verwaltungsrat vorschlägt. 

Unmittelbar nach der GV wird der beschlossene Betrag pro Aktie an alle Aktionäre ausbezahlt. An einem genau festgelegten Datum rund um die GV muss daher die Aktie im Wertschriftendepot sein, sonst gibt es nichts. Wer also im letzten Juni Swisscom-Aktien kaufte und im Dezember abstiess, erhält nichts, nur der Stichtag zählt. Am Tag, an dem die Dividende ausbezahlt wird, notiert die Aktie «Ex-Dividende». Der Kurs sinkt dann um den Betrag der Dividende. 

Soweit das Buchhalterische. Die Bedeutung der Dividenden für Anleger wird oft unterschätzt. Schaut man sich an, wie man mit Aktien Geld verdient, so gibt es nur zwei Komponenten: Kursveränderung und Dividende. Aus langfristigen Studien wissen Investoren, dass sie mit Aktien im Schnitt rund 7 Prozent pro Jahr verdienen. Stand heute entsprechen alle Dividenden für den gesamten Schweizer Aktienmarkt (gemessen am SPI-Index) knapp 3 Prozent. Überschlagsmässig stammt etwas weniger als die Hälfte der Aktienrendite aus Dividenden, sie sind also fast die halbe Miete.

Clifford Padevit

Ganz wichtig für langfristige Sparer: die Dividende umgehend wieder investieren.

Clifford Padevit Leiter Investment Communication

Unterschiede zu den USA

Nun ist der Beitrag zur Aktienrendite nicht überall auf der Welt derselbe. In Europa ist er etwa gleich wie in der Schweiz. In den USA hingegen liegt er unter einem Drittel. US-Unternehmen zahlen weniger Dividende an ihre Aktionäre und historisch betrachtet sind die Kursgewinne in den USA höher als in Europa. 

Jetzt sind Dividenden von der Art her nicht gleich stabil wie die Zinsen von Anleihen. Sie werden jedes Jahr neu festgelegt und können auch mal ausfallen, wenn das Unternehmen nur einen geringen Gewinn erzielt oder gar einen Verlust. Wir vergleichen sie trotzdem mit dem Einkommen aus Anleihen, und man verdient gerade in der Niedrigzinsschweiz einiges mehr mit Dividenden. Anleger müssen aber bereit sein, die grösseren Kursschwankungen von Aktien zu ertragen.

Ganz wichtig für langfristige Sparer: die Dividende umgehend wieder investieren. Denn der Zins auf dem Konto bringt weit weniger ein als eine Investition in Aktien. Und nur so lässt sich der Zinseszinseffekt erzielen. Wer über Fonds in Aktien investiert, sollte dies bei der Auswahl berücksichtigen. Aktienfonds tragen im Namen meist die Ergänzung «acc» oder «dis». Acc steht für solche, die die Ausschüttungen reinvestieren (auch thesaurierende Fonds genannt).

Dividenden sind also für Aktienanleger von grosser Bedeutung. Sie zu verschmähen oder kleinzureden, wäre für langfristige Sparer unklug.

 

Rechtlicher Hinweis: Die gesetzlich vorgeschriebenen Angaben zu Finanzanalysen finden Sie unter https://www.vpbank.com/de/rechtliche-hinweise.

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