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Pfeiler im Finanzsystem: Die Fed

Clifford Padevit, Leiter Investment Communication
Lesedauer: 4 Min.
Der Dollar ist der Grund ihrer Macht, aber das kümmert sie gar nicht so sehr.

Wenige Institutionen treiben Anleger derart um wie die Fed. Was immer die US-Notenbank – respektive ihre Vertreter – mit Sitz in Washington tun, das ist Teil endloser Diskussionen an den Finanzmärkten. 

Ein Entscheid, wie etwa der vor einer Woche, den Zinskorridor um einen Viertelprozentpunkt zu erhöhen, oder manchmal auch nur ein Wort des Fed-Chefs bewegt Milliarden. In dieser Hinsicht kann es die Notenbank locker mit dem US-Präsidenten aufnehmen, und der zieht ja auch viel Aufmerksamkeit auf sich. Aber warum ist die Fed eigentlich so wichtig?

Nichts geht ohne Dollar

Die Bedeutung der Fed leitet sich vor allem von der Währung ab. Der US-Dollar ist die weltweit am meisten verwendete Währung. Konkret werden knapp 60 Prozent der Währungsreserven weltweit in Dollar gehalten. Das sind Reserven der Zentralbanken, um ihre Aufgabe hinsichtlich wirtschaftlicher Stabilität und Geldpolitik umsetzen zu können. Der Euro als zweitwichtigste Währung kommt nur auf 20 Prozent. 

Darüber hinaus ist der Dollar die wichtigste Währung im internationalen Handel. Auch Rohstoffe werden in Dollar gehandelt, von Öl über Kupfer bis Gold. Dazu kommt, dass die Finanzmärkte der USA die grössten und somit liquidesten sind, die es gibt. Ob Anleihen oder Aktien, so gross wie in den USA respektive in US-Dollar ist das Angebot nirgends. Das zeigt sich Anlegern auch im Weltaktienindex, der zu über zwei Drittel aus US-Aktien besteht. Wer ihn kauft, kauft auch sehr viel Dollar.

Alle brauchen Dollar, also ist die Fed so wichtig, oder? Interessanterweise kümmert sich die Fed aber gar nicht so sehr um den Dollar, sondern überlässt ihn dem Markt. Sie ist voll und ganz auf die Preisstabilität sowie maximale Beschäftigung in den USA konzentriert. Den Dollar hat sie kaum im Blick, denn weil die Währung weltweit so bedeutend ist, gibt es eine automatische Nachfrage, von Zentralbanken, von Unternehmen und von Anlegern, die ihre Ersparnisse in die USA «exportieren». Nicht zuletzt jene, die im Aussenhandel mit den USA Gewinn erzielen.

Diesen Luxus kennt die Eurozone nicht. Der Euro ist viel stärker vom grenzüberschreitenden Handel abhängig. Der Aussenwert des Euros spielt für die Wirtschaft und die Preisstabilität – sprich die Inflation – im Euroraum eine viel grössere Rolle als im Fall der USA. 

Cliff

Die Fed kümmert sich gar nicht so sehr um den Dollar, sondern überlässt ihn dem Markt.

Clifford Padevit Leiter Investment Communication

Rolle erst gefunden

Als die Fed 1913 gegründet wurde, war ihr die grosse Bedeutung nicht in die Wiege gelegt. Ihre Gründung ging auf interne Vorgänge zurück. Zuvor hatten private Banken Dollar unter die Leute gebracht und somit die Geldmenge gesteuert. Mehrere Bankenkrisen waren die Folge. Als 1907 eine der grössten Banken bankrott ging, löste das eine Panik aus, in der viele Menschen ihr Geld abhoben.

Eine private Initiative unter dem Banker John Pierpont Morgan (der Gründer der Bank J.P. Morgan) sorgte für ausreichend Liquidität, damit das Vertrauen zurückgewonnen werden konnte. So erfolgreich sie auch war, so wenig wollten die Politiker in einer nächsten Krise auf private Financiers angewiesen sein, die als «Lender of last resort» (Kreditgeber der letzten Instanz) auftraten. Und so wurde die Fed geboren. 

Ein Argument wurde bisher vernachlässigt. Die USA stiegen seit der Fed-Gründung zur grössten Volkswirtschaft der Welt auf. Viele Unternehmen suchen dort also ihren Absatzmarkt. Die Schweizerische Nationalbank parkiert grosse Teile ihrer Bilanz in Dollar, private Anleger kaufen US-Anlagen. Und so ist für alle wichtig, was die Fed entscheidet.

Rechtlicher Hinweis: Die gesetzlich vorgeschriebenen Angaben zu Finanzanalysen finden Sie unter https://www.vpbank.com/de/rechtliche-hinweise.

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