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Spotanalyse

Einkaufsmanagerindizes: Das Tal der Tränen ist noch nicht vorüber

Lesedauer: 2 Min
Für die Eurozone fällt der Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe von 51.4 auf 50.5. Das Barometer für den Dienstleistungssektor fällt ebenfalls von 51.2 auf 50.8 Punkte. Der zusammengesetzte Index für beide Sektoren geht damit im Januar von 51.1 auf 50.7 zurück.

Die Industrie schwächelt. Der deutsche Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe fällt von 51.5 auf 49.9. Damit liegt das Konjunkturbarometer sogar leicht unter der Expansionsschwelle von 50. Der Auftragseingang stockt nach wie vor. Die Ursache ist rasch gefunden: Die chinesische Wirtschaft scheint derzeit zu straucheln. Vor allem die exportstarken deutschen Unternehmen leiden darunter. Die gute Nachricht ist aber, dass es im benachbarten Frankreich bergauf geht: Der Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe steigt von 49.7 auf 51.2.

Umgekehrt verhält es sich mit Blick auf den Dienstleistungssektor. Das Konjunkturbarometer für den deutschen Dienstleistungssektor steigt spürbar. Die Binnenwirtschaft ist und bleibt damit der Stabilitätsanker. Die gute Beschäftigungssituation gepaart mit einem historisch niedrigen Zinsniveau hält die inländische deutsche Konjunktur auf Kurs. In Frankreich dürfte hingegen der Gelbwestenprotest auf das Gemüt schlagen. Der Einkaufsmanagerindex für den französischen Dienstleistungssektor fällt von 49 auf 47.5.

Noch ein Nachschlag zur deutschen Exportwirtschaft: Das produzierende Gewerbe der Bundesrepublik hat das Tal der Tränen noch nicht hinter sich, vor allem weil der chinesische Konjunkturmotor ins Stocken gerät. Im Reich der Mitte liegt derzeit etwas im Argen, was über die offiziellen Daten nicht zum Ausdruck kommt. Dies wird nicht nur die europäische Wirtschaft zu spüren bekommen sondern die gesamte Weltwirtschaft. Die geplanten und bereits umgesetzten Steuersenkungen der chinesischen Regierung werden aber im weiteren Jahresverlauf Wirkung zeigen. Wir müssen uns aber noch etwas in Geduld üben, ehe die Massnahmen vollständig zur Geltung kommen. Spannend wird nun zu sehen sein, ob die Unternehmen ihre Beschäftigungsplanung anpassen werden. Worst Case wäre, wenn es zu einem Arbeitsplatzabbau käme. Bislang ist nicht davon auszugehen. Die Exportwirtschaft wird die konjunkturelle Delle mit ihrer Belegschaft aussitzen und mit wieder besseren Zeiten im Reich der Mitte rechnen.

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Dr. Thomas Gitzel
Chief Economist, VP Bank Group

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