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Spotanalyse

Marktupdate: Handelskonflikt

Lesedauer: 5 Min
Donald Trump setzt seine Wahlversprechen in die Tat um

Das hohe Handelsbilanzdefizit der US-Wirtschaft ist ihm ein Dorn im Auge. Das grösste Defizit fällt dabei auf den Handel mit China zurück. Hierbei belief sich der Negativsaldo im Jahr 2017 auf USD 375 Mrd. Während die EU nun (vorübergehend) von Strafzöllen ausgenommen wurde, gerät China in den Fokus. Gegenüber dem Reich der Mitte wurden umfangreiche Handelssanktionen erlassen.

Blick in die Vergangenheit

Eine ganz ähnliche Situation gab es bereits in der US-amerikanischen Wirtschaftsgeschichte: In den 1980er Jahren geriet unter Ronald Reagan Japan ins Visier. Die japanischen Autohersteller eroberten seit den 1970er Jahren in kurzer Zeit relativ hohe Marktanteile in den USA. Die grossen US-amerikanischen Automarken kamen dadurch in erhebliche Bedrängnis. Chrysler schaffte im Jahr 1979 das Überleben nur mit einem Notkredit des Staates. Die Stimmung war zu damaligen Zeitpunkt ähnlich aufgeheizt wie sie derzeit ist. Präsident Reagan verhängte Strafzölle und nötigte die japanischen Autohersteller ihre Exporte auf freiwilliger Basis zu beschränken. Der Konflikt wurde schliesslich beigelegt. Japan kam zur Erkenntnis, dass das Land bei einer Eskalation am meisten zu verlieren hätte.

Zweckehe

China verdankt seinen heutigen wirtschaftlichen Status vor allem dem Zugang zu ausländischen Märkten. Wird dieser erschwert und gar unmöglich gemacht, drohen China erhebliche wirtschaftliche Einbussen. Aber auch die USA selbst stehen in Abhängigkeit zu China. Grösster ausländischer Gläubiger des Landes ist China. Das Reich der Mitte hält über USD 12 Billionen der US-amerikanischen Staatstitel. Letztlich verbindet beide Länder eine wirtschaftliche Zweckehe. China macht sich vor allem durch seine hohen Devisenmarktinterventionen in der Vergangenheit angreifbar. Die dadurch resultierende Währungsschwäche ermöglichte den Export günstiger Produkte. Aber auch die Bedingungen für Direktinvestitionen entsprechen nicht der gängigen Praxis. Dazu gehört etwa, dass ausländischen Unternehmen nur ein Zugang zum Land gewährt wird, wenn technologisches Wissen offen gelegt wird. Donald Trump legt hier den Finger in die Wunde.

Siegt die Vernunft?

Zu hoffen ist, dass es zu keiner weiteren Verschärfung des Konflikts kommt. Donald Trump möchte mit den getroffenen Massnahmen vor allem auch Verhandlungen forcieren, die zu faireren Handels-bedingungen führen. Die Frage ist, lässt sich China darauf ein? Die wirtschaftliche Vernunft spricht dafür, doch Peking möchte nicht das Gesicht verlieren. Darüber hinaus gilt: China sucht derzeit seinen politischen Platz zwischen den etablierten Weltmächten. Steigende Rüstungsausgaben legen hierfür bestes Zeugnis ab. Die Pekinger Administration wird risikobereiter, was auf der anderen Seite ohnehin auch für Donald Trump gilt. In Washington geht man mittlerweile kaum einem Konflikt aus dem Weg. Damit besteht die Möglichkeit, dass sich im Worst-Case-Fall eine gefährliche Eigendynamik entwickelt. Beruhigend ist allerdings, dass China besonnen reagiert. Die angekündigten Gegenmassnahmen haben symbolischen Charakter: Peking verkündigte Einfuhrzölle in Höhe von 25 % auf US-Schweinefleisch und 15 % für Stahlrohre, Früchte und Wein. Insgesamt hat China eine Liste von 128 US-Produkten erstellt, auf die Zölle erhoben werden könnten. Der Gesamtwert des Schadens für die US-Wirtschaft wird auf USD 3 Milliarden geschätzt. Von chinesischer Seite war darüber hinaus zu verlauten, dass der Konflikt nicht durch mehr Tarife zu lösen sei, vielmehr müsse der Verhandlungs-weg gesucht werden. Das klingt nach einer Lösungs- und nicht nach einer Konfliktsuche. Generell gilt: Auch wenn die akuten aktuellen Streitigkeiten gelöst werden, dürften für Donald Trump «unfaire» Bedingungen beim Güteraustauch auf der Agenda bleiben. Dies muss nicht heissen, dass ein weltweiter «Handelskrieg» entfacht wird. Die Zolldiskussion könnte vielmehr zu einem Dauerthema werden.


Aktienmärkte bleiben volatil

Die aktuelle Verunsicherung an den Aktienmärkten wird von zwei wichtigen Fragestellungen bewegt. Wie entwickeln sich die Kapitalkosten und werden durch protektionistische Massnahmen wichtige Investitionen behindert? In ihrer Dimension können beide Fragen derzeit nicht beantwortet werden, jedoch erzeugen beide Entwicklungen entsprechenden Gegenwind für Aktien. Wir erwarten, dass die Kapitalkosten schrittweise steigen. Dies geschieht durch steigende Zinsen, aber auch durch steigende Kreditrisiken. Während die Zinsen derzeit massgeblich in USA steigen, beeinflusst eine verstärkten Verunsicherung in allen Regionen die Volatilität und somit die Kreditrisiken. Diese Entwicklung ist jedoch nicht neu und stellt einen wichtigen Aspekt unserer Aktienstrategie dar. Mit den neu hinzukommenden Handelsstreitigkeiten jedoch müssen auch höhere Produktionskosten berücksichtigt werden. Das Ausmass ist noch nicht überschaubar, stellt aber einen Bremsfaktor für alle zukünftigen Gewinnerwartungen dar.

Korrektur im Aufwärtstrend

Es ist sehr wichtig im Auge zu behalten, dass sowohl die langfristigen Wachstumstrends als auch die langfristigen Aufwärtstrends in nahezu allen wichtigen Aktienmärkten ungebrochen sind. Aktuell ist diese schwierige Marktphase als «Korrektur im Aufwärtstrend» einzuordnen. Wir sehen somit derzeit nicht einen Bruch des zyklischen Aufschwungs, sondern eher eine Verlangsamung. Dies bedeutet aber auch, dass die führenden Sektoren wie Technologie, Industrie oder nicht-zyklischer Konsum weiterhin eine führende Rolle in den nächsten Monaten darstellen sollten. Erst mit einer signifikanten Verteuerung der Kredite und ernsthaften Liquiditätsproblemen hoch verschuldeter Unternehmen droht ein zyklischer Abschwung.

Zwei kurzfristige Alternativen aber (noch) keine belastbare Lösung

Die Märkte «verarbeiten» die aktuelle Nachrichtenlage mehr aus einer emotionalen Perspektive. Dies, da rational die Auswirkungen (noch) nicht erfasst werden können. Verteidigen die Aktienmärkte ihre im Februar erzeugten Tiefstände, so werden die kommenden Wochen eine positive Gegenreaktion von 8 bis 10 % auslösen. Fallen jedoch diese Unterstützungen, ist mit einer weiteren Kurskorrektur von bis zu 10 % zu rechnen. In beiden Fällen erwarten wir im Anschluss wieder ein Ausbalancieren. Wie überträgt sich diese Sicht auf die Aktienmärkte in der Schweiz, USA und Deutschland?

  • Für den deutschen Leitindex DAX bedeutet dies, dass dieser nicht unter 11‘800 fallen sollte. Hält diese Marke, so sehen wir eine Rückerholung bis circa 13‘000. Fällt diese Marke, so erwarten wir einen sogenannten «wash-out», also eine emotionale Verkaufsreaktion. Hier würden wir bei Kursen unter 11‘000 ein taktisches Kaufniveau sehen. Einerseits wäre der langfristige Aufwärtstrend nach wie vor intakt, andererseits wären die deutschen Standardaktien auf diesem Kursniveau fundamental sehr günstig bewertet.
  • Die taktische Unterstützung des Schweizer SMI befindet sich bei 8‘500. Hält diese Marke sehen wir eine Rückerholung auf 9‘000 im Gesamtindex, mit nächsten wichtigen Widerständen bei 9‘300. Kann die Unterstützung bei 8‘000 nicht gehalten werden, so droht ein Kursrückgang bis in die Region von 8‘000 zu 7‘800.
  • Der breite amerikanische Aktienindex S&P 500 ist aus unserer Sicht anfälliger. Ein Rückgang in die Verlustzone von Februar diesen Jahres ist sehr wahrscheinlich. Hier erkennen wir jedoch starke Unterstützungen und sehen diese Bandbreite als taktische Kaufzone innerhalb des aktuellen Aufwärtstrends.

Zusammenfassend betrachtet halten wir fest, dass die Aktienmärkte im aktuellen Marktumfeld die Veränderungen der Zinsentwicklung aber auch erhöhte Schwierigkeiten im internationalen Handel verarbeiten und in den Kursen einpreisen. Das Wachstum ist jedoch weiterhin intakt. Somit erkennen wir in dieser Marktschwäche eine Korrektur im Aufwärtstrend aber mit einer erhöhten Volatilität. In allen Fällen jedoch sollten Anleger ihre Aktienpositionen auf deren fundamentale Qualität hin prüfen. Unternehmen mit zu hohen Verschuldungen, nicht nachhaltigen Geschäftsmodellen aber auch zu hohen unternehmerischen Erwartungen werden in den kommenden Monaten stark geprüft werden und tendenziell die Verlierer sein.


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