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Spotanalyse

Grossbritannien: Theresa May übersteht das Misstrauensvotum der Tory-Fraktion

Lesedauer: 2 Min
Erst einmal tief durchatmen! Theresa May erhielt beim parteiinternen Misstrauensvotum der Tory-Fraktion des britischen Unterhauses die nötige Mehrheit.

Von den 317 konservativen Abgeordneten votierten 200 für die Premierministerin. Das ist alles andere als ein glorreicher Sieg, denn immerhin stimmten damit 117 Parlamentarier gegen die Regierungschefin. In normalen Zeiten hätte alleine das schlechte Abschneiden gereicht, um die Parteiführung abzugeben. Doch was ist in Grossbritannien derzeit schon normal? Am gestrigen Vormittag sah es noch nach einem Scheitern aus. Lautstark machte das Anti-EU-Lager auf sich aufmerksam. Als dann im weiteren Tageslauf Minister ihre Solidarität mit der Regierungschefin bekundeten, kam Hoffnung auf. Am Nachmittag wurde dann zunehmend deutlich, dass ein positiver Ausgang für May möglich ist.

Die wichtige Nachricht ist: Theresa May macht weiter – nach ihrem Bekunden zumindest bis 2022. Die Premierministerin hat eine Mission und möchte das Land geordnet aus der EU führen. Bis dahin ist es allerdings noch ein weiter Weg. Theresa May muss zunächst in Brüssel um Zugeständnisse in der Nordirland-Frage bitten. Es ist anzunehmen, dass die EU zumindest einige Formulierungen des Austrittsabkommens anpassen wird. Ob allerdings das britische Unterhaus am Ende den Segen gibt, bleibt weiterhin offen. Theresa Mays Zukunft bleibt also auch nach dem gestrigen Tag ungewiss.

Die letzten Tage zeigen, dass die politischen Entwicklungen im Vereinigten Königreich nur schwer prognostizierbar sind. Die Ereignisse überschlagen sich. Ankerpunkt bleibt hingegen die veränderte Stimmungslage in der britischen Bevölkerung. Die Mehrheit der Bevölkerung möchte keinen harten Brexit. Ein Parlament sollte dem Volkswillen Rechnung tragen. Wir gehen deshalb weiter von einem glimpflichen Ausgang aus, bei dem Grossbritannien zumindest einen Teilzugang zum Binnenmarkt behalten wird. In diesem Falle hätte auch das britische Pfund erheblichen Aufwertungsbedarf.

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Dr. Thomas Gitzel
Chief Economist, VP Bank Group

 

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