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Spotanalyse

Grossbritannien: Theresa May muss sich noch heute einem Misstrauensvotum stellen

Lesedauer: 2 Min
Theresa May muss sich noch heute einem Misstrauensvotum im britischen Parlament stellen. Die abgeblasene Abstimmung über das mit der EU verhandelte Austrittsabkommen sorgte im britischen Unterhaus für Aufruhr. Das Pro-Brexit-Lager sammelte deshalb die nötigen 48 Unterschriften für ein Misstrauensvotum.

Das Votum im Unterhaus wird noch am heutigen Abend abgehalten. Für Theresa May wird es schwer, den Tag politisch zu überleben. Selbst im Falle, dass die Premierministerin die Abstimmung gewinnen sollte, kann ein Rücktritt nicht ausgeschlossen werden. Die Zahl an Ablehnungen in den eigenen Reihen wird gross sein - so gross dass ein Weiterregieren nur schwer möglich sein wird.

Innerhalb der Regierungspartei bringt sich bereits das Pro-Brexit-Lager in Stellung. Bei den britischen Buchmachern liegt der ehemalige Austrittsminister Dominic Raab und Boris Johnson als Nachfolger von Theresa May vorn. Neuwahlen wären somit vorerst nicht zu erwarten. Eine Nachfolgefindung benötigt allerdings Zeit. Da am 29. März die Frist für einen Verbleib Grossbritanniens in der EU ausläuft und ein neuer Premierminister erst noch das Gespräch mit Brüssel suchen muss, spricht derzeit vieles für eine Fristverlängerung – vorbehaltlich einer Brüsseler Zustimmung.

Wir wollen es beim Namen nennen: Übernehmen die Austrittsbefürworter das Kommando in London wird ein harter Brexit wahrscheinlicher. Doch es ist noch nicht aller Tage Abend. Da ein harter Bruch mit dem europäischen Festland, das Vereinigte Königreich in ein wirtschaftliches Chaos stürzen könnte, stellt sich die Frage, ob sich die Anti-EU-Front dieser Verantwortung stellen will? Zu bedenken ist, dass die britische Bevölkerung unter einer etwaigen Rezession leiden würde. Das würde man den Konservativen niemals vergessen. Vermutlich würden ein Dominic Raab oder auch ein Boris Johnson versuchen müssen, eine Lösung mit Brüssel zu finden.

Die besten Optionen wären sicherlich Neuwahlen oder ein zweites Referendum. Die Situation ist so verfahren, dass eine Befriedung nur mit Hilfe des Volkswillen sinnvoll erscheint.

Das britische Pfund kam in den vergangenen Tagen bereits unter Druck. Die Finanzmärkte haben Ungemach gerochen. Da über die Zukunft Grossbritanniens noch längere Zeit Unklarheit herrscht, dürfte das Pfund vorerst weder in die eine noch in die andere Richtung nachhaltig schwenken. Vermutlich wird die britische Valuta vorerst in der Nähe der gegenwärtigen Niveaus verharren. Da wir von allen erdenklichen Optionen nach wie vor diejenige eines weichen Brexit als die wahrscheinlichste erachten, hat das Pfund auf längere Frist Aufwertungspotenzial. Vermutlich müssen wir hierauf aber noch einige Zeit warten.

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Dr. Thomas Gitzel
Chief Economist, VP Bank Group

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