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Spotanalyse

Grossbritannien: Kommt es am 11. Dezember überhaupt zu einer Entscheidung?

Lesedauer: 2 Min
Möglicherweise kommt es am Dienstag bei der Abstimmung im britischen Unterhaus über den ausgehandelten Brexit-Deal zu keiner finalen Entscheidung. Laut bislang nicht bestätigten Medienberichten ist eine Verschiebung der wichtigen Abstimmung eine Option.

Theresa May fürchtet sich wohl zunehmend vor einem Scheitern der Abstimmung. Sowohl die Regierungspartei als auch das Oppositionslager ist mit der ausgehandelten Vereinbarung unzufrieden. Den einen ist die Trennung nicht radikal genug, die anderen wollen lieber ganz in der EU verbleiben als ein Abkommen zu unterschrieben, das Pflichten ohne Rechte mit sich bringt.

Denkbar wäre auch ein „Nein“ der Parlamentarier mit der gleichzeitigen Aufforderung, eine Nachverhandlung mit Brüssel in die Wege zu leiten. Da dann aber die Zeit bis zu einem möglichen EU-Austritt am 29. März sehr knapp wird, könnte es zu einer Fristverlängerung kommen. Ein Rücktritt Theresa Mays und Neuwahlen würden dabei unwahrscheinlicher - sollten aber auch nicht völlig ausgeschlossen werden.

Doch selbst im Falle von vorzeitigen Wahlen könnte am Ende ein weicher Brexit oder gar ein Verbleib in der EU stehen, denn mittlerweile hat sich die Stimmung in der Bevölkerung gedreht. Laut Umfragen möchten die meisten Briten auch zukünftig eine enge Anbindung an die EU. Bei einem vorzeitigen Votum könnte sich also möglicherweise das EU-freundliche Lager durchsetzen.

Vermutlich ist es also so, dass wir am Dienstagabend nicht wesentlich schlauer sein werden. Die Ungewissheit über die Zukunft Grossbritanniens geht wohl in die Verlängerung. Und was heisst das alles für das britische Pfund? Da der Erkenntniszugewinn am Dienstagabend möglicherweise klein ausfällt, dürfte auch die britische Valuta kaum zu einer deutlichen Bewegung ansetzen. Vermutlich setzt sich die begonnene Seitwärtsbewegung gegenüber dem US-Dollar und dem Euro fort.

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Dr. Thomas Gitzel
Chief Economist, VP Bank Group

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