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Spotanalyse

Auftragseingänge für den Oktober – Die Krise fällt aus

Lesedauer: 2 Min
Im Oktober legen die Auftragseingänge gegenüber dem September um 0.3 % zu. Das ist im Monatsvergleich der dritte Anstieg in Folge.

Das ist eine sehr erfreuliche Zahl. Derzeit ziehen dunkle Konjunkturwolken auf, doch das heutige Zahlenwerk gibt den blauen Horizont etwas frei. Die Krise fällt derzeit jedenfalls aus. Vor allem die Aufträge aus dem Ausland sprudeln im Oktober kräftig in die deutsche Industrie. Vermutlich löst sich der Auftragsstau der deutschen Automobilindustrie aufgrund des WLTP-Testzyklus etwas auf. Die Fahnenstange ist dabei noch nicht erreicht: Liegen die Zulassungen auf Basis des neuen WLTP-Testzyklus vollständig vor, sollten die Auftragseingänge weiteren Schub erhalten. Vor allem die inländischen Bestellungen haben noch Bedarf für eine Aufholjagd. Der WLTP-Testzyklus hat den Auftragseingang so stark gebremst, dass der Nachholbedarf zunächst selbst eine übergeordnete konjunkturelle Absatzschwäche überkompensieren wird

Mit Blick auf den bisherigen Jahresverlauf gilt: Die Auftragseingänge waren eine der grössten konjunkturellen Enttäuschungen. Der nun einsetzende positive Trend ist deshalb sehr wohltuend. Die seit Jahresbeginn per saldo schwachen Neubestellungen für die deutsche exportstarke Wirtschaft sind denn auch ein Spiegelbild der globalen Industrie. Das Zahlenwerk zeigt, dass die Handelsstreitigkeiten zum Debakel für die vernetzte Weltwirtschaft werden können. Die Unsicherheiten belasten die Investitionslaune und in weiterer Folge die Exportwirtschaft. Die US-Industrie selbst bekommt das auch zu spüren.

Für Deutschland ist nun wichtig, dass die Mission der deutschen Autobosse im Weissen Haus in dieser Woche ein Erfolg war. Strafzölle auf Autos würden das Leben für die deutsche Industrie nicht gerade einfacher machen. Der ehemalige und weltweit gut vernetzte baden-württembergische Ministerpräsident Lothar Späth trug den Spitznamen „Cleverle“ – auch weil er sich gerade auf internationalem Parkett äussert geschickt verhielt. Schön wäre, wenn Dieter Zetsche in dieser Tradition und als Vertreter der Stuttgarter Automobildynastie einen schwäbisch-cleveren Deal in Washington hinbekommen hat. Lother Späth hätte jedenfalls seine helle Freude daran

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Dr. Thomas Gitzel
Chief Economist, VP Bank Group

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